Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 57 (1913)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die russische Regierung und die westeuropäischen Juden
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 494 (sequence 13)
- Language
- German
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494 Die russische Regierung und die westeuropäischen Juden. oder rationalistische Richtung bei den jüngeren Israeliten überhand genommen hat; dem daraus entstandenen Unwesen wurde erst im Jahre 1838 gesteuert durch ein Re* skript, worin befohlen wurde, daß künftig alle Rabbiner sich jeder Neologie aufs strengste zu enthalten haben. »Die wenigsten in der Liste verzeichneten jungen Männer sind den neuen Reformideen geneigt, würden aber unter einer festen und konsequenten Leitung gewiß sehr brauchbar sein und der ihnen zu gebenden Tendenz Folge leisten. Als einer der ausgezeichnetesten Tafmudisten in Bayern gilt der Rabbiner L. L. Bamberger in Würzburg. Statt der hier unbekannten oder nicht zu berufenden Individuen möchten Werner, Victor, Hochheimer, Weimann, Fräedlein und Weit, sämtlich hier in München zu empfehlen sein«. Dieser Brief veranlaßte Dukschinsky Uwaroff die Frage vorzulegen, ob bei der Wahl der Kandidaten die Anhänger der »neujüdischen Richtung« oder der alten Schule vorgezogen werden sollen. »Es ist bekannt, schrieb Dukschinsky, daß seitdem die auswärtigen Juden an der Aufklärung An* teil nehmen, d. h. seit der Hälfte des 18. Jahrhunderts, in Deutschland hauptsächlich eine neu-jüdische Schule sich gebildet hat, deren Anhänger den Talmud und dessen Kommentare verwerfen und zum Alten Testament zurückkehren, den sie mit der Lehre einer reinen Ethik verbinden. Zweifellos ist dies ein Schritt zur Vervollkommnung und zur Annäherung an das Christentum. Aber nicht alle Re* gierungen haben diese Bewegung mit Wohlwollen aufgenommen. So wurde sie in Österreich, Preußen und Bayern bekämpft. In Bayern wurde sie seitens der Regierung auf Veranlassung eines Streites zwischen den Altgläubigen und den Anhängern der neuen Lehre aufs entschiedenste verboten, und die Reformier werden dort als Störenfriede betrachtet. Die Regierung befürchtet nämlich, daß die neue Strömung zum Rationalismus und endlich zu vollem Atheis* mus führen werde. Es ist zu erwarten, daß die uns emp-