Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 57 (1913)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die russische Regierung und die westeuropäischen Juden
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 495 (sequence 14)
- Language
- German
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Die russische Regierung und die westeuropäischen Juden. 495 fohlenen Kandidaten, wenn nicht alle, so doch zum großen Teil der Neuen Schule angehören, da die sie empfehlenden Juden: Jost, Philippson, Lilienthal u. a. auch derselben angehören. Die Altgläubigen bedürfen noch der europäischen Aufklärung, da sie sich bis jetzt mit talmudischer und philologischer Gelehrsamkeit begnügt haben. In Rußland befinden sich die Juden in einem derartigen Zustand von Aberglauben und Ignoranz, daß eine »neologische Reformation« unter ihnen fast zu wünschen wäre. Daher sollte, wie es scheint, die Zugehörigkeit zu den »Neologen« kein Grund zur Ausschließung vom Wettbewerb um die Lehrstellen sein, wenn nur selbstverständlich die vorherige Laufbahn des betreffenden von offenem Ungehorsam oder sonstigen Fehltritten frei gewesen ist, die ja in Rußland ebenso wenig wie in Deutschland wünschenswert sein können«. Natürlicherweise konnte auf die aufgeworfene Frage nur eine positive Antwort erfolgen. Aber bald darauf verlor die ganze Sache jeden praktischen Wert, da die Frage der Anstellung auswärtiger Juden in eine neue Bahn gelenkt wurde. Unterdessen bekam Lilienthal unaufhörlich die Namen neuer Kandidaten zugeschickt, setzte seine Bemühungen in betreff der materiellen Sicherstellung der Lehrer fort, befürchtete, daß infolge der bevorstehenden Eröffnung einer höheren jüdischen Lehranstalt in Prag (unter Leitung Landaus) manche Kandidaten dem Ruf nach Rußland nicht Folge leisten würden; allein schon im Jahre 1841, soweit meine Dokumente mir berichten, hörte der briefliche Verkehr Lilienthals mit dem Ministerium auf. Neue Aufklärung in dieser Frage erhalten wir ein Jahr darauf in einem ausführlichen Briefe Lilienthals in der »Allgemeinen Zeitung des Judenthums« (1842, Nr. 45). Er spricht darin von seinen Bemühungen für die Schulreform, von der beabsichtigten Reise durch Rußland, die bezwecken solle, die jüdische Gesellschaft mit den Aufklärungsbestrebungen der Regie-