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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1913-01-01 · Heft 4 · p. Seite 484

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
57 (1913)
Issue
Heft 4
Article
Die russische Regierung und die westeuropäischen Juden
Date
1913-01-01
Page
Seite 484 (sequence 3)
Language
German
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484 Die russische Regierung und die westeuropäischen Juden. — schrieb Mannheimer an Lilienthal — werden Sie wohl selber mir zu• trauen. Indessen darf ich Ihnen die Schwierigkeiten nicht verhehlen. Tüchtige Männer und zwar solche, die mit einem verläßlichen Charakter und wissenschaftlicher Bildung religiöse Anhänglichkeit verbänden, und nebst dem als Schulmänner vom Fache sich bewähren könnten — sind selten. Und doch sind alle diese Eigenschaften unerläßlieh, eine wie die andre, besonders bei einem so umfassenden und beginnenden Institute« Später dürften sich die Leute eher finden, und haben sich erst einige tüchtige und bewährte Männer gefunden, $0 dürften die sich leicht ihre Jünger und Mitarbeiter heranbilden. Aber eben darum darf im Anfänge nichts versehen werden, und durch Vernachlässigung der Grundlage nicht der ganze Bau gefährdet werden. Ich erinnere Sie an ein ähnliches (wenn bei weitem kleineres) Unternehmen in Galizien unter dem seligen Kaiser Joseph. An dem heillosen Treiben eines Homberg ist damals das ganze segenreiche Werk gescheitert, und jetzt hat Galizien gerade eine Schule, die unter russischen Auspizien begonnen und gegründet, durch die unsäglichen Mühen und Aufopferungen des unsterblichen Perl in Tarnopol auf Österreichischen Boden fortgepflanzt und erhalten wird. Solche Männer aber, wie ich sie eben geschildert, und nur solche, die in mehreren dieser Beziehungen eine Garantie geben, könnte ich Ihnen zuweisen, solche Männer machen Ansprüche und heut zu Tage ziemlich ungemessene Ansprüche. Namentlich darf ich Ihnen nicht verhehlen, daß Rußland in Beziehung auf sein rauhes Klima und sonstige Verhältnisse gerade keine besondere Anziehungskraft für den Süddeutschen hat, da das Leben unter polnischen Juden in dieser Sphäre für den, der unter gebildeten Menschen gelebt, ein Wagniß ist, zu dem nicht Alle Math und Eifer haben, das Wort Beruf, Sendung hat den Klang nicht mehr, den es vor 20 Jahren zurück noch, hatte.« Auch Geiger schrieb Lilienthal in ähnlichem Sinne. Die Bemerkung Mannheimers, der Anhänger einer gemäßigten Reform war, erweckte bei Lilienthal gewisse Bedenken. Die Rolle der Chassidim in Rußland, als einer der europäischen Aufklärung feindlichen Macht, war nicht zu unterschätzen. Mannheimers Brief mußte Liiienthai an die mißlungenen Versuche Hombergs erinnern, der als Inspektor der neuen Schulen es nicht für nötig fand, die religiösen Anschauungen der orthodoxen Juden Galiziens,

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