Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 57 (1913)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die russische Regierung und die westeuropäischen Juden
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 485 (sequence 4)
- Language
- German
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Die russische Regierung und die westeuropäischen Juden. 485 die er als Ausdruck eines finsteren Fanatismus betrachtete, zu berücksichtigen und die Aufklärungsreform mit Zwangsmittein durchzuführen gedachte, auf die Unterstützung der Regierung bauend, die für ihn die Fortschrittsidee verkörperte. Hombergs rohes Auftreten hatte die Volksmassen den neuen Schulen noch mehr entfremdet. Und an anderes mehr erinnerte Lilienthal der Brief Mannheimers. Er mußte an den edlen Perl denken, der gezwungen war mit den Chassidim in Konflikt zu geraten, die ihrerseits bei der Regierung Zuflucht nahmen. Lilienthal wußte, daß von den Orthodoxen nur passiver Widerstand zu erwarten war, die Chassidim dagegen, die straff organisiert waren, über große Mittel verfügten, aktiv auftreten würden. Und er war bereit, im Bunde mit den russisch-jüdischen Aufklärern den Kampf gegen die Chassidim aufzunehmen. In seiner Korrespondenz mit dem Beamten des Ministeriums für Volksaufklärung Dukschta-Dukschinsky, dem das Schulressort unterstand, wird die Frage in betreff der Chassidim öfters berührt: »Von Seiten der Chassidim, schrieb Lilienthal am 11. März 1841, ... darf man auf systematischen Widerstand rechnen, und es wird sowohl der kräftigsten Maßregeln von Seiten der Regierung, als eines energischen Rabbiners bedürfen, um durchzudringen.« Sechs Tage darauf schrieb Lilienthal an Dukschinsky: »Aus Minsk erfuhr ich durch einen Reisenden, daß man das bürgerliche Elend der rigisehen Juden bloß meiner Anwesenheit zuschreibt; welchen Willkomms dürfen sich die anderen Einwanderer erfreuen? Die Ignoranz und Roheit soll nirgend so zu Hause sein, wie in diesen südwestlichen Gouvernements, in denen die Chassidim herrschen; und schmutzige Bartjuden, die der Geist der Aufklärung aber schon etwas angeweht hat, gestehen frei, daß man ohne die ernstesten Maßregeln dort nichts ausrichten würde, weil die Fanatiker das Äußerste wagen werden. Ich sehe es ein, die Schilderung über die