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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1913-01-01 · Heft 4 · p. Seite 483

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
57 (1913)
Issue
Heft 4
Article
Die russische Regierung und die westeuropäischen Juden
Date
1913-01-01
Page
Seite 483 (sequence 2)
Language
German
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Die russische Regierung und die westeuropäischen Juden. 483 Wirkungskreise. Ich soll Ihnen schnell darauf antworten. Sie kennen meine Stellung. In meiner Gemeinde stehe ich, wie früher, geliebt und geehrt. In literarischer Beziehung erfreue ich mich trotz Konkurrenz einer gleichen Wirksamkeit und vollen Zutrauens. Alles zusammen bringt mir jährlich eine Einnahme von 1600 Thalern. Freilich sind nun Ihre Andeutungen noch sehr wage, aber Sie wollen ja nur kurze Beantwortung. Ich würde den Antrag annehmen. Aber freilich um eine bestimmte Annahme erkennen zu geben, müßte ich das Genauere wissen, und die Vokation erhalten, denn ich habe es mir einmal zum festen Grundsatz gemacht, um keine Stelle zu petitionieren«. Auf Lilienthals Aufforderung interessierten sich für die Berufung von Lehrkräften, außer Philippson und Jost, Abraham Geiger und Isaak Mannheimer. Es ist von Interesse hervorzuheben, daß Mannheimer und der bekannte Komponist und Kantor Sulzer sich bereit erklärten, Mittel aufzutreiben, um zwei jungen Leuten die Möglichkeit zu geben, unter ihrer Leitung die Formen des Gottesdienstes und der Predigt im Wiener Tempel studieren zu lassen Geiger verpflichtete sich seinerseits junge Leute zu unterstützen, die bei ihm zu arbeiten wünschten. Er lehnte jedoch die ihm in Rußland vorgeschlagene Lehrstelle ab*). Binnen kurzem war Lilienthal im Besitze einer Liste mit über 100 Namen von Kandidaten; viele derselben hatten ihr Zeugnis eingesandt. Die meisten waren von Philippson und Jost empfohlen; beide schenkten den Bestrebungen Uwaroffs volles Vertrauen und verhielten sich zur Schulreform überhaupt sehr optimistisch. Dagegen legten Mannheimer und Geiger eine gewisse Zurückhaltung und Vorsicht an den Tag. »Daß ich Ihren Aufträgen mit der größten Bereitwilligkeit entgegenkommen und weiter ihnen zu genügen mich bestreben werde, *) Abr. Geigers’s Nachgelassene Schriften. Herausgegeb. von Ludwig Geiger, V. Band, Berlin, 1878, S. 164—166. 31

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