Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 57 (1913)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die Familie Schemtob in ihren Beziehungen zur Philosophie
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 446 (sequence 28)
- Language
- German
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446 Die Familie Schemtob in ihren Beziehungen zur Philosophie. Menschen auf die Verbindung mit Gott als auf das erstrebenswerteste Ziel hinweist, ihren Nutzen nicht bestreiten können. Die durch die Thora erreichbare Vollkommenheit ist als die Vollendung der durch das menschliche Denken erreichbaren zu betrachten, wie die Denkkraft ihrerseits als die Vollendung der animalischen Seele zu betrachten ist. Sowie nun die Denkkraft sich umso vollkommener darstellt, je vollkommener die ihr zu Grunde liegende animalische Seele ist, so wird auch in dem durch menschliche Vollkommenheit ausgezeichneten Menschen die durch die Thora erreichbare Vollkommenheit in höherer Weise zur Ausprägung gelangen. Da es ferner ein größerer Vorzug ist, zwei Vollkommenheiten als nur eine zu besitzen, so wird derjenige, der die menschliche Vollkommenheit mit der durch die Thora zu erreichenden vereinigt, demjenigen vorzuziehen sein, der nur diese allein besitzt. Ebenso wird man denjenigen, der sich durch ethisches, auf vernunftgemäßer Erkenntnis beruhendes Handeln und durch die Befolgung der Gebote der Thora auszeichnet, für vollkommener halten müssen, als denjenigen, der nur einen dieser Vorzüge besitzt. Ferner ziemt es sich für den Israeliten, auch dasjenige zu erstreben, was ihm als Menschen zur Vollkommenheit gereicht, wie es sich für den Menschen ziemt auch denjenigen Eigenschäften nachzustreben, die ihm, wie die Gesundheit, die Schönheit und dgl., als animalischem Wesen zum Vorzug gereichen. Aus der durch Vernunftbeweise erreichbaren Erkenntnis erwächst dem israeliten aber auch eine Förderung in seinem Glauben wie in seinem durch die Thora vorgeschriebenen Handeln. Wer aus ethischen Gründen freigebig ist, dem wird es leichter fallen, auch die von der Thora gebotene Mildtätigkeit zu üben; ein heldenmütiger Mensch wird auch in höherem Maße den Mut besitzen, sein Leben für den Glauben hinzugeben. Durch die wissenschaftliche Erkenntnis aber werden wir einerseits in der Erlangung der von der Thora gebotenen Erkenntnis ge-