Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 57 (1913)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die Familie Schemtob in ihren Beziehungen zur Philosophie
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 444 (sequence 26)
- Language
- German
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444 Die Familie Schemtob in ihren Beziehungen zur Philosophie. Gottes bezeichnet werden, eines Grundes nicht entbehrten, obgleich wir diesen Grund nicht zu erkennen vermöchten,1) so ist damit der übernatürliche Zweck dieser Gebote gemeint, denn ein solcher ist bei allen, selbst bei denjenigen Geboten anzunehmen, die, weil sich bei ihnen ein für den Menschen bedeutsamer Zweck erkennen läßt, von den Gaonim als Vernunftgebote bezeichnet werden.2 3) Die in der Thora vorgeschriebene Forschung, die im Talmud unter dem Namen der Weisheit als eine der wesentlichsten Vorbedingungen für die Erlangung der Prophetie bezeichnet wird, hat nach den obigen Ausführungen nichts mit der Wissenschaft gemein, die erst nach dem Aufhören der Prophetie entstanden ist und durch Aristoteles ihrer Vollendung zugeführt wurde. Das Höchste in dieser Wissenschaft stellt die Metaphysik dar und speziell die im Buche A der aristotelischen Metaphysik vorgetragenen Lehren. Nach Maimonides soll nur in der Aneignung der richtigen metaphysischen Erkenntnisse der höchste Zweck des Menschen und die wahrhafte Vollkommenheit bestehen, vermittelst deren der Mensch zum ewigen Leben gelangt8) Maimonides aber hat selbst erklärt, daß Alles, was Aristoteles von den Dingen oberhalb der sublunarischen Welt aussagt, bis auf einiges Wenige, und besonders was er von der Ordnung der Intelligenzen lehrt, als bloße Hypothese zu betrachten sei und daß manche seiner metaphysischen Ansichten große Unwahrscheinlichkeiten, ja offenbare Irrtürner enthielten und von ihm ohne Beweis angenommen wären.4) Können wir uns also in diesen, den Gipfelpunkt aller Wissenschaft bildenden Erkenntnissen, von denen die Glückseligkeit des Menschen abhängen soll, nicht einmal auf einen so unvergleichlichen Denker wie 1j More III, cap. 26. 2) K E. S. 23 b—24 a. 3) More III, cap. 54. d) More II, cap. 22.