Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1913-01-01 · Heft 4 · p. Seite 443

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
57 (1913)
Issue
Heft 4
Article
Die Familie Schemtob in ihren Beziehungen zur Philosophie
Date
1913-01-01
Page
Seite 443 (sequence 25)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2829132-2829851-2829856-2892351--40580-2892427
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Die Familie Scfaemtob in ihren Beziehungen zur Philosophie. 443 der Tod unter allen Umständen der Flucht vorzuziehen ist. Und was die Forschung betrifft, so braucht sich der Israelit, um Gottes Wohlgefallen zu erringen, nur mit der Bibel und dem Talmud und, so weit sie uns nicht abhanden gekommen sind, mit den Geheimnissen der Thora zu be״ schäftigen, während man vom nichtjüdischen, dem sögenannt allgemein menschlichen Standpunkt aus, sich mit Logik, Mathematik, Physik und Metaphysik beschäftigen muß, um zur Vollkommenheit des Denkens zu gelangen. Auch Maimonides hat, wenn er die menschliche Vollkommenheit von der systematischen Beschäftigung mit diesen Wissenschaften abhängig macht,1) dabei wohl nur an die Vollkommenheit gedacht, die der Mensch als solcher und nicht an die, die er als Israelit zu erstreben hat. Daß dem Israeliten ein anderer, ihm allein vorbehaltener Weg zur Glückseligkeit vorgezeichnet sei, hat gewiß auch M. nicht bestreiten wollen und so wird man alle auf diesen Gegenstand bezüglichen Aussprüche im More in diesem Sinne aufzufassen haben.2) Da nach der hier dargelegten Anschauung die Wege der Thora und die der Wissenschaft durchaus verschieden sind und die Gesetze der Thora einen übernatürlichen Ursprung und einen übernatürlichen Zweck haben sollen, so ist es auch verfehlt, den Gründen dieser Gesetze vermittelst der Vernunft nachforschen zu wollen. Wie es gewisse Dinge gibt, die eine aus ihrer elementaren Zusammen- Setzung nicht zu erklärende, spezifische Wirkung ausüben, wie zum Beispiel der Magnet das Eisen anzieht, so üben auch diese Gesetze eine übernatürliche Wirkung aus, die sich nicht bestreiten läßt, wenn wir auch ihren Endzweck zu erkennen nicht imstande sind. Wenn Maimonides sagt, daß keiner der alten Weisen Gott etwas Zweckloses zugeschrieben habe und daß auch die Gebote, die als Machtgebote ') More III, cap. 34. *) K. E. 21 b—23 b.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.