Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 57 (1913)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die Familie Schemtob in ihren Beziehungen zur Philosophie
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 439 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2829132-2829851-2829856-2892351--40576-2892423- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Die Familie Schemtob in ihren Beziehungen znr Philosophie. 439 machenden Vernunft, also in seinem Denken und: ferner in der Aneignung und Betätigung der seinem Wesen entsprechenden ethischen Eigenschaften besteht. So wird Josua 1, 8: (»Es weiche nicht dieses Buch der Thora aus deinem Munde und forsche darin Tag und Nacht, damit du beobchtest zu tun ganz so, wie in ihm geschrieben steht, denn dann wirst du glücklich sein in deinen Wegen und wirst vernünftig sein.«) die Glückseligkeit von der Erfüllung der in der Thora vorgeschriebenen Gebote abhängig gemacht, die Erfüllung dieser Gebote selbst aber hat den Zweck, den Menschen in seiner Denktätigkeit zu fördern. In diesem Sinne lehren auch unsere alten Weisen, daß die Forschung in der Thora der Beobachtung aller Gebote gleichkommt und daß der mit der Thora sich Beschäftigende von der Obung der Gebote entbunden ist, abgesehen von einigen wenigen, die eben für die Denktätigkeit von besonderer Bedeutung sind. Worin sich die Thora von den Philosophen unterscheidet, das ist in der Bestimmung der Art der Handlungen und des Denkens, die den Menschen zur Glückseligkeit führen. Nach den Philosophen besteht das zur Glückseligkeit führende Handeln in der Beobachtung der Vorschriften der aristotelischen Ethik, nach unserer Ansicht in der Beobachtung der 613 in der Thora vorgeschriebenen Gebote. Und ebenso besteht nach den Philosophen das zur Glückseligkeit führende Denken in dem Denken über ihre Wissenschaft, nach uns in dem Nachdenken über die Vor- Schriften und die Geheimnisse der Thora und über die Lehren der Propheten. Damit setzen wir uns mit dem Grundgedanken des Aristoteles keineswegs in Widerspruch. Die von der Thora vorgeschriebenen Gebote haben ja den Zweck, uns zu vervollkommnen und zu einem-gotterwählten Volke zu machen. Und wenn sie auch nicht wie die ethischen Gebote aus der Vernunft allein abgeleitet werden können, so sehen wir sie doch durch die Erfahrung be-