Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 57 (1913)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die Familie Schemtob in ihren Beziehungen zur Philosophie
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 437 (sequence 19)
- Language
- German
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Die Familie Schemtob in ihren Beziehungen zur Philosophie. 437 Glückseligkeit und demgemäß auch die Fortdauer des Menschen auf den intellektuellen Vorzügen beruhen würde.1) Da sie aber auch in der Thora geistige Verheißungen fanden, so glaubten sie, weil die Wege zur Glückseligkeit in ihrem Wesen und in ihrer Art nicht verschieden sein könnten, darin eine Übereinstimmung zwischen der Thora und der Philosophie annehmen zu müssen. Beide unterscheiden sich nach ihnen nur in der Art der Unterweisung. Die Thora, für die am Sinnlichen haftende und der Denktätigkeit unkundige große Menge bestimmt, mußte ihre Anleitung in einer allen zugänglichen Gestalt geben und sich auf eine bloße Andeutung der tieferen Geheimnisse beschränken, während die Anleitung der Philosophie für die Denkgeübten bestimmt ist, bei denen ein tieferes Verständnis vorauszusetzen ist. In dem Bestreben, eine solche Übereinstimmung nachzuweisen, sind jene Gelehrte zu der Ansicht gelangt, daß die Geheimnisse der Thora durch die Philosophie erforschbar sind, so daß z. B. die Lehre des Ezechiel von der Merkaba, zu deren Geheimhaltung wir doch verpflichtet sind, den griechischen und ismaelitischen Weisen bekannt gewesen wäre2), und daß die Lehren der aristotelischen Ethik denselben Zweck hätten wie die Gebote und Verbote der Bibel, abgesehen von denjenigen Geboten, die dazu bestimmt sind, falschen Glaubensvor- *) More a. a. O. 2) More I, Einleit. (Quide I, S. 9—10); I, cap. 33 (Guide I, S. 117—119)); das. cap. 34 (S. 127—129). In seinem Kommentar za Averroes’ Abhandlung über die Möglichkeit einer Konjunktion sagt Josef: >Daraus geht hervor, daß die Geheimnisse des Gesetzes, die man nach dem Talmud nicht den anderen Völkern lehren darf, nicht die Grundlehren der Philosophie sein können, daß מעשה בראשית und מעשה מרכבה nicht Physik und. Metaphysik sind, welche Christen, Griechen und Araber kennen. Maimonides ist hier auf einem Abwege, wie schon im כבוד אלהים gezeigt worden sei, jedoch zu entschuldigen, da er zuerst das Licht der Thora angesteckf, das Licht der Philosophie ausgelöscht hat.« Vgl. Steinschneider, Monatsschrift 32, S. 464 f.