Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 57 (1913)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die Familie Schemtob in ihren Beziehungen zur Philosophie
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 432 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2829132-2829851-2829856-2892351--40569-2892416- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
432 Die Familie Schemiob in ihren Beziehungen zur Philosophie. das körperliche Leben des Menschen erstrecken. Würden sie nun auf die menschliche Glückseligkeit keinen Einfluß üben, so bliebe nur noch ihr Nutzen für das körperliche Leben übrig, ln Wahrheit aber haben sie für das körperliehe Leben nicht nur keinen Nutzen, sondern das Streben nach ihnen ist sogar ein Hindernis für das Wohl des körperlichen Lebens, denn die nach Erkenntnis Strebenden sind, wie wir sehen, den Annehmlichkeiten des körperlichen Lebens meistens nicht zugetan und eignen sich von ihnen kaum das Notwendigste an. Würde aber jemand behaupten, der Nutzen der uns verliehenen Vernunftkraft besteht darin, daß die Vernunfterkenntnisse uns für die praktischen Tätigkeiten förderlich sind, deren wir zu einer zweckmäßigen Gestaltung unseres Lebens bedürfen, so wäre auch das nicht zutreffend. Denn erstens gibt es Vernunfttätigkeiten, die für die Praxis ganz belanglos sind, und dann würden, wenn sich dies so verhielte, die praktischen Tätigkeiten höher als die Vernunfttätigkeit stehen, da diese ihren Endzweck in jenen hätte, während der menschlichen Natur gemäß die intellektuelle Erkenntnis weit über der praktischen Tätigkeit steht, wie wir uns ja über ein geringes Maß intellektueller Tätigkeit mehr freuen, als über ein großes Maß praktischer Tätigkeit, so daß die Freude über das in praktischer Beziehung Erreichte in .gar keinem Verhältnis steht zu der Freude über die durch unsere Vernunfttätigkeit erreichte Erkenntnis. Auch hat die Natur in den Menschen mehr das Verlangen nach der Spekulation als nach praktischer Tätigkeit gelegt; darum kann der spekulative Teil in uns nicht um des Praktischen willen da sein. Dieser Argumentation tritt Josef mit folgenden Ausführungen entgegen. Alle Denkenden haben sich mit der Frage beschäftigt, ob nicht, wenn ein Teil der Seele fortlebt, dies der vernünftige sei, weil er mit der Materie nicht verknüpft ist. Einen Beweis dafür aber hat Aristoteles