Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 57 (1913)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die Familie Schemtob in ihren Beziehungen zur Philosophie
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 429 (sequence 11)
- Language
- German
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Die Familie Schemtob in ihren Beziehungen zur Philosophie429 ״ die das Gute und Rechte tun, zeigt er, daß sich Gottes Vorsehung nach seiner Ansicht nicht nur auf die Denktätigen, sondern auch auf die recht und gut Handelnden erstrecke. ,Mit der Bemerkung, daß dies unverkennbar auf den Weisen zutrifft, will er sagen, daß der Weise, insofern er wirklich ein Weiser ist, auch das Rechte und Gute tut und durch sein beständiges Denken die göttliche Vernunft zu Ehren bringt, daß dagegen die sogenannten Weisen, die Laster und Sünden begehen, nicht zu den Weisen zu rechnen sind.1) Daraus ergibt sich, daß Maimonides und andere dem Aristoteles mit Unrecht die Leugnung einer auch auf die Individuen sich erstreckenden Providenz zugeschrieben haben.2) An unserer Stelle bekennt sich A. ausdrücklich zu dieser Lehre, wie es überhaupt nicht seine Art ist, sich zweideutiger Ausdrücke zu bedienen, sondern unbekümmert darum, ob er sich dadurch mit den Lehren der Religion in Widerspruch setze, das Ergebnis seines Nachdenkens seiner Überzeugung gemäß auszusprechen. Bei einer sorgfähigen Durchforschung aller Schriften des A. hat sich auch nirgendwo ein unserer Stelle widerstreitender Ausspruch gefunden. Was die anderen veranlaßt hat, dem A. die Leugung einer individuellen Providenz zuzuschreiben, das war die Meinung, daß sich dies als eine Konsequenz aus der Lehre ergebe, nach der sich das Denken Gottes nur auf sein Wesen erstrecken soll• Allein insofern sein Wesen auch die Ordnung und die bestmögliche Stufenfolge der Dinge umfaßt, denkt er mit seinem Wesen auch die Dinge, *) K. E. S. 15 a f. 2) More III, cap. 17 (K. E. falsch cap. 18). Auch Abraham Bibago in seiner Schrift דרך אמרנה S. 17 a bemerkt, daß Ibn Sina und Maimonides dem A. irrtümlich die Ansicht zuschreiben, daß Gottes Vorsehung sich nur auf das Allgemeine oder die Gattungen erstrecke. Das sei nicht die Ansicht des A., sondern die Interpretation, die Alexander Aphrodisias den Worten des A. gibt.