Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 57 (1913)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die Familie Schemtob in ihren Beziehungen zur Philosophie
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 428 (sequence 10)
- Language
- German
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428 Die Familie Schemtob in ihren Beziehungen zur Philosophie. über das beste und Gott am meisten ähnliche — das aber ist die Vernunft — freuen, und es ist anzunehmen, daß Gott denjenigen, die die Vernunft lieben und sie ehren, dafür Wohltaten erweise als denjenigen, die ihn lieben, daß er seine Vorsehung über sie walten läßt,1) und daß er Gutes tut denen, die das Gute und Rechte tun. Es ist aber nicht verkennbar, daß dies auf den Weisen zutrifft; er ist also der von Gott Geliebteste und in Wahrheit auch der Glücklichste.«2) An dieser Stelle, bemerkt Josef, bekennt sich Aristoteles zu der ihm von den meisten zeitgenössischen Philosophen abgesprochenen Ansicht, daß sich das Walten der göttlichen Vorsehung auf die durch ihre Vorzüge hervorragenden menschliehen Individuen erstrecke. Wer seine Handlungen der Vernunft gemäß gestaltet und sich ganz der Spekulation ergibt, der ist infolge seiner sittlichen und intellektuellen Vorzüge glückselig; er ist in dem Maße von Gott geliebt, indem er sich vermöge seiner Vernunfttätigkeit Gott nähert und ihm ähnlich wird. Um dem Irrtum vorzubeugen, dem die Ungläubigen in späterer Zeit erlegen sind, daß Gott zu erhaben sei, als daß sich sein Denken auf die menschlichen Individuen und seine Vorsehung auf ihre Angelegenheiten erstrecken sollte, daß diese vielmehr dem Zufall und dem Ungefähr preisgegeben seien, sagte Aristoteles, daß Gott, wenn er sich, was wahrscheinlich ist, irgendwie um die menschlichen Angelegenheiten kümmert, d. h. wenn er sie kennt und auf sie achtet, denjenigen Menschen, die das göttliche Heil in sich, durch das sie eine gewisse Ähnlichkeit mit Gott haben, erwählen, Gutes erweist, daß er sie liebt und seine Vorsehung über sie walten läßt. Indem er sagt, daß Gott Gutes erweise denen, 1J Die letzten Worte stehen im aristotelischen Text nicht und sind wohl hinzugefügt, um die folgende Interpretation zu unterstützen. ־) K. E. S. 15a. Vgl. N. E. (Ausgabe der Berliner Akademie) X, 9. 1179, a. 22.