Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 57 (1913)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die Familie Schemtob in ihren Beziehungen zur Philosophie
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 427 (sequence 9)
- Language
- German
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Die Familie Schemtob in ihren Beziehungen zur Philosophie. 427 Denktätigkeit, sondern auch vom Denkobjekt bedingt. Wie Gottes Glückseligkeit im Denken seines eigenen reinen Wesens besteht, so nähert sich die Glückseligkeit des Menschen der Glückseligkeit Gottes, indem er in der vollkommensten, seiner menschlichen Natur erreichbaren Weise Gott als das höchste Denkobjekt zum Gegenstand seines Denkens macht, wobei jedoch ein Denken des göttliehen Wesens, das nur Gott allein zugänglich ist, ausgeschlossen ist. Zur wahren Glückseligkeit bedarf es nicht des Lebens in einer Gemeinschaft mit anderen Menschen; sie wird vielmehr, wie Josef unter Berufung auf Mainsonides1) ausführt, besser erreicht in stiller Zurückgezogenheit und in der Losiösung von allen auf das Gesellschaftsleben bezüglichen Geschäften, weshalb auch die Weisen am liebsten in Wüsten und Höhlen weilten, wie R. Simon ben Jochai sich dreizehn Jahre in einer Höhle aufhielt* *) und Elia als Einsiedler in den Bergen lebte8). Nach diesen einleitenden Ausführungen wendet sich Josef ben Schemtob den beiden bereits erwähnten Stellen aus der nikomachischen Ethik des Aristoteles zu*), um durch deren sinngemäße Interpretation der allgemein verbreiteten mißverständlichen Auffassung der aristotelischen Lehre in zwei bedeutsamen Punkten entgegenzutreten. Die erste Stelle lautet in der etwas freien und für seine Zwecke zurechtgestutzten Übersetzung, wie folgt: »Wer der Vernunft gemäß handelt und wessen Gedanken auf diese gerichtet sind, der wird, wie es scheint, auch der von Gott Geliebteste sein. Denn, wenn die Gedanken Gottes wie es wahrscheinlich ist, sich um die menschlichen Dinge irgendwie kümmern, so ist anzunehmen, daß sie sich ») Vgl. More III, cap. 51. ף Vgl. Oraetz, Gesch. d. Juden IV* Note 20, S. 438. כ״ב שנה in unserem Texte ist wohl nur ein Druckfehler, ») K. E. S. 12b—15 a. *) Vgl. oben S. 338.