Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 57 (1913)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die Familie Schemtob in ihren Beziehungen zur Philosophie
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 426 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2829132-2829851-2829856-2892351--40563-2892410- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
426 Die Familie Scbemtob in ihren Beziehungen zur Philosophie. alle anderen Kräfte des Menschen in dem Maße, wie die von ihr erfaßten Gegenstände: die göttlichen Dinge, die Geheimnisse der Schöpfung und die getrennten Intelligenzen, die von den anderen Kräften erfaßten Gegenstände überragen. Durch die Vernunft gewinnt der Mensch das wahrhafte Leben, denn da das Leben von dem Maß der Erkenntnis bedingt ist und der Mensch durch die Vernunft die höchste Erkenntnis, die Erkenntnis Gottes, erlangt, so gewinnt er durch sie das wahrhafte, göttliche Leben. Zur höchsten Vollkommenheit und zur höchsten Glückseligkeit gelangt demgemäß der Mensch erst dann, wenn er sich die Vernunfterkenntnisse aneignet und in beständiger, vollkommenster Denktätigkeit verharrt; er lebt dann nicht ein menschliches, sondern ein göttliches Leben, während der nichtdenkende Mensch dem menschlichen Wesen, um dessentwillen er geschaffen ist, fernbleibt und als Mensch wie nichtexistierend gelten kann. Da Gott, wie wir gesehen haben1), als der Endzweck aller Dinge zu betrachten ist und der Zweck der Dinge, darin besteht, daß ein jedes seiner Daseinsstufe gemäß der Vollkommenheit Gottes nachstrebt, Gott aber in beständiger Wirksamkeit ist, indem er, sein eigenes Wesen denkend, auch die Dinge denkt, so wird jedes Ding Gott ähnlich nach dem Maße seines Denkens und seiner Wirksamkeit. So ist Gott oder das Streben, Gott ähnlich zu werden, das Ziel der Sehnsucht aller Dinge, die sich beim Menschen nach dem Wort der Schrift: »Und du sollst lieben den Ewigen, deinen Gott, mit deinem ganzen Herzen, mit deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Vermögen« im Denken wie im Handeln bekunden, sich von der natürlichen zu einer vom Willen geleiteten gestalten soll und, in ihrer höchsten Entwicklung ganz im reinen, auf sich selbst bezogenen Denken aufgehend, in diesem die höchste Glückseligkeit findet. Die Glückseligkeit ist aber nicht bloß von der *) Vgl. oben S. 423.