Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 57 (1913)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die Familie Schemtob in ihren Beziehungen zur Philosophie
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 425 (sequence 7)
- Language
- German
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Die Familie Scheintob in ihren Beziehungen zur Philosophie. 425 gegen die Lehren der Thora Zweifel erheben, die widerlegt werden müssen, um den Nachdenkenden vor den sich daraus ergebenden Anfechtungen zu bewahren. Um das zu erreichen, darf man jedoch nicht, wie es sein Vater getan hat, von gewissen in der Religion begründeten Voraus- Setzungen und Prinzipien ausgehen, die von dem Gegner nicht geteilt werden, sondern man muß von Voraussetzungen und Prinzipien ausgehen, die von beiden Seiten gleichmäßig zugestanden werden. Dieser Aufgabe will sich Josef in der Weise unterziehen, daß er zuerst alle auf diesen Gegenstand bezüglichen Äußerungen des Aristoteles und seiner Kommentatoren zusammenstellt unter Angabe der Bücher und Abschnitte, denen sie entnommen sind. Bei schwierigen Stellen, für die es bisher an einem Kommentar fehlt, will er zuerst den wortgetreuen Text geben und dann einen die einzelnen Worte erläuternden Kommentar folgen lassen. Sodann will er die Lehren des Aristoteles daraufhin prüfen, wieweit sie mit den Lehren unserer Religion im Einklang stehen oder ihnen widerstreiten1). Die grundlegenden Lehren des Aristoteles und seiner Anhänger faßt Josef in 18 Sätzen zusammen, aus denen wir im Folgenden das Wesentlichste wiedergeben. Die Glückseligkeit besteht nach Aristoteles in der Wirkung der Vernunft als der vorzüglichsten aller dem Menschen verliehenen Kräfte. Durch diese göttliche Kraft steht der Mensch mit den göttlichen Dingen in Verbindung; sie ist nach der übereinstimmenden Ansicht aller Peripatetiker eine Wirkung der getrennten Intelligenzen und hat in ihrer die Allgemeinbegriffe erfassenden Tätigkeit mit diesen eine gewisse Ähnlichkeit. In diesem Sinne ist, wie Josef bemerkt, auch die Lehre von der Gottähnlichkeit des Menschen zu verstehen. Die Kraft der Vernunft überragt telischen Rhetorik, wo ich aber nichts dem Entsprechendes gefunden habe. •) K. E. S. 4a f.