Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1913-01-01 · Heft 4 · p. Seite 424

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
57 (1913)
Issue
Heft 4
Article
Die Familie Schemtob in ihren Beziehungen zur Philosophie
Date
1913-01-01
Page
Seite 424 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2829132-2829851-2829856-2892351--40561-2892408
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

424 Die Familie Schemtob in ihren Beziehungen zur Philosophie. ähnlich zu sein1). Unter dieser Ähnlichkeit ist jedoch, da Gott seinem Wesen nach unvergleichbar ist, nur das Streben zu verstehen, sich der Vollkommenheit Gottes anzunähern; und so stellt sich auch die nach der Schrift dem Menschen allein unter allen geschaffenen Wesen verliehene Gottesebenbildlichkeit nicht als ein schon in seinem ursprünglichen Naturzustand Vorhandenes dar, sondern als das Streben nach der Vollkommenheit und Glückseligkeit, um derentwillen der Mensch geschaffen worden ist2 3). Worin aber die höchste Vollkommenheit und der Endzweck des Menschen im Besonderen zu suchen sind, darüber sind die Ansichten von jeher sehr geteilt gewesen. So soll z. B. nach dem Talmud der Endzweck des Menschen im Dienste Gottes bestehen*), während nach der Ansicht mancher Philosophen, wie des Averroes am Ende seines Buches über die Seele, dieser Endzweck in der Vorstellung der Vernunfterkenntnisse bestehen soll, was von späteren jüdischen Gelehrten als mit den Lehren unseres Glaubens unvereinbar bestritten wird. Mit dieser Frage hat sich aber auch Aristoteles im ersten und zehnten Buch der nikomachischen Ethik beschäftigt, ohne daß die jüdischen Gelehrten auf dessen Ausführungen eingegangen sind und sie einer Prüfung auf ihre Übereinstimmung mit der Bibel unterzogen haben4). Eine solche Untersuchung ist aber unerläßlich, denn da die Wahrheit, wie Aristoteles einmal bemerkt, mit der Wahrheit nicht im Widerspruch stehen kann5), würden sich im Fall einer Nichtübereinstimmung >) K. E. S. 3 a. s) Das. S. 3b f. 3j Talmud b. Ende des Traktats Kidduschin. 4) K. E. S. 4a. In der Vorrede za seinem Kommentar zur Ethik des A. bemerkt Josef, daß es unter seinen Zeitgenossen, den berühmtesten gelehrten Juden dieses Landes, keinen gebe, der in dieses tiefe Meer getaucht sei, um die Saphire und Perlen heraufzubringen (Steinschneider, HÜs. S. 213). *) Josef beruft sich für diesen Satz auf das Ende der aristo-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.