Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 57 (1913)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die Familie Schemtob in ihren Beziehungen zur Philosophie
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 421 (sequence 3)
- Language
- German
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Die Familie Schemtob in ihren Beziehungen zur Philosophie. 421 fahr nicht verschließen, mit der ein unbesonnener Betrieb der Wissenschaft die Glaubenstreue ihrer Jünger bedrohe. Wohl ist er davon überzeugt, daß die Religion als das Höchste und unvergleichlich Erhabenste im Menschen mit den Ergebnissen der wahren, auf den primären Vernunfterkenntnissen sich aufbauenden Wissenschaft nicht im Widerspruch stehen könne1). Die Beschäftigung mit der wahren Wissenschaft kann auch deshalb nicht verboten sein, weil sie dem Menschen zum Nutzen gereicht, denn die Thora wird uns nichts verbieten, was uns, besonders in Bezug auf unsere Seele, zum Nutzen gereichen kann. Es gibt freilich unter den von den Griechen überlieferten Schriften auch solche, die mancherlei verderbliche und die Grundlagen der Religion unterwühlende Lehren enthalten und von denen zu befürchten ist, daß ihre Leser zur Annähme dieser oder ähnlicher Irrlehren könnten verleitet werden. Darum glaubte R. Ascher die Beschäftigung mit der Philosophie überhaupt als unstatthaft erklären zu müssen2) und R.. Salomo ben Adret hat, wie aus seinem Antwortschreiben an Bedarest und aus dem Minchat Kenaot hervorgeht, die Anordnung getroffen, daß die Jugend von diesen Studien ferngehalten werde, weil sich das in der Jugend Aufgenommene nur schwer wieder beseitigen lasse*). Er selber möchte als Heilmittel gegen diese Krankheit vorschlagen, daß die Jugend im reiferen Alter, nachdem sie in der Thorakenntnis unterwiesen und im Glauben befestigt worden ist, auch mit diesen Wissenschaften ver- >) K. E. S. 20 b. Josef beruft sich hier auf seinen Kommentar zu Profiats Brief, d. h. zu dem bekannten von Profiat Duran an seinen vom Judentum abgefalienen Freund David Bonet Bon-Giorno gerich• teten Brief mit dem beständig wiederkehrenden Refrain תהי כאבותיך btt. Der Brief mit Josefs Kommentar ist in der Sammlung קובץ ויכוחים abgedruckt. 2) Responsen des R. Ascher, Nr. 55, 9. *) Responsen des R. Salomon ben Adret I, Nr. 416; Abbamaris Briefsammlung מנחת קנאות Nr. 20 u. a. O.