Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 57 (1913)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Eine unbekannte jüdische Sekte
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 409 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Eine unbekannte jüdische Sekte. 409 stände anbetrifft, nach deren Beschaffenheit verschieden ist. Wäsche, Kleider und ähnliche Dinge empfangen ihre rituelle Reinigung durch Wasser, weil sie in dieser Weise tatsächlich1) gereinigt werden, so daß der absorbierte verunreinigende Stoff wirklich entfernt wird, während Metallgefäße im Feuer geläutert werden müssen2), weil die von ihnen aufgenommene Unreinheit durch das Wasser nicht weggespült werden kann. Unreine Personen, besonders die נדה, werden nicht durch das Untertauchen im Wasser rein, sondern durch Abwaschen, ציקה:*, mit Wasser3), weil dadurch ein höherer Grad der physischen Reinlichkeit erzielt wird. Ferner können Gegenstände wie Personen ihre rituelle Reinheit nur dann erhalten, wenn die Flecken, verursacht durch den verunreinigten Stoff, etwa durch Blut, entfernt sind, sonst aber nicht4). Unsere Schrift dagegen kennt in Übereinstimmung mit der Halachah nur eine Form der Reinigung, das Tauchbad — 10, 10 bis 14 — für Personen wie für Gegenstände5). Auch die Vorschrift über den Grad der 0 Hadassi 107 b; Baschiatzi, Tumah IV. 2) Hadassi 90 a; 107 b; מבחר zu Num. XIX, 14 und Baschiatzi. Tumah IV. Die Karäer berufen sich auf Num. XXXI, 23 zum Beweise für die Feuerreinigung, nach Ansicht der Halachah jedoch war auch in dem von der Schrift erwähnten Falle ein Tauchbad nach der Feuerreinigung notwendig; vgl. Abodah sara 75b und Jeruschalmi Abodah sara Ende. •) Gegen diese Lehre der Karäer kämpften die Rabbaniten sehr heftig, so daß es üblich war, die Frauen bei ihren Eintritt in die Ehe schwören zu lassen, dieser sündhaften Praxis der Karäer nicht zu folgen; vgl. Maimonides* Bannerlaß gegen diese Haeresie in תשובות הרמב״ם Nr. 149 und das arabische Original davon bei Friedländer, Monatsschrift LIII, 469 ff. t>ie späteren Karäer — vgl. Nicodemi, Tumah XVII, 107 und Baschjatzi IV, 126 a — bestehen nicht mehr auf dem Aufgießen, wenn sie auch behaupten, dasselbe sei eben so gut wie das Untertauchen; über Anans Stellung zu dieser Frage vgl. oben. 4) Dies ist aber nach Ansicht der Halachah nicht nötig. 5) Nach der oben gegebenen Erklärung zu 10, 11 besteht unsere Schrift darauf, daß die rituelle Reinigung zugleich eine physische sei,