Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 57 (1913)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Eine unbekannte jüdische Sekte
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 407 (sequence 14)
- Language
- German
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Eine unbekannte jüdische Sekte. 407 daß nur das von Menschenhand hergestellte Getränk unrein werden könne, nicht aber Wasser, widerspricht ganz deutlich der Angabe in unserer Schrift1), daß sogar die zur Reinigung benutzte Zisterne unrein werden könne. Mit Bezug auf andere Gegenstände, die weder Speisen noch Getränke sind,אוכלין ומשהין, vertreten die Karäer2) denselben Standpunkt wie die Rabbaniten, wonach diese im Naturzustand keine Unreinheit annehmen, weswegen Erde, Steine u. dgl. m. nicht unrein werden können; ja sogar Gefäße, כלים, entgehen, falls sie an der Erde befestigt sind, der Unreinheit Von der in unserer Schrift — 12, 15 — erhaltenen rigorosen Halachah, wonach die Leichenunreinheit sich auch auf Holz, Steine und Erde erstreckt, findet sich in der karäischen Literatur keine Spur, wohl aber, wie z. St bemerkt wurde, im Targum Jonathan. Hadassi3) ist der einzige Karäer, der — vielleicht durch Targum beeinflußt? — behauptet, daß das Haus, in dem eine Leiche sich befindet, unrein und nicht eher wieder rein wird, als bis die *) Vgl. ausführlich darüber oben. Vielleicht beruht die Angabe des Abul-Fath über eine ähnliche Lehre der Dosithäer (vgl. S, 398) auf einer Verwechslung der Zisterne גבא mit der Quelle מעיין, in welchem Falle aber diese Häretiker sich nicht allein mit unserer Schrift sondern auch mit der Halachah in Übereinstimmung befänden. 2) Vgl. ausführlich darüber oben. Nur mit Bezug auf steinerne Gefäße differieren die Karäer von den Rabbaniten, indem diese keinen Unterschied zwischen Steinen und steinernen Gefäßen machen, während jene — Nicomedi X; Baschjatzi IV und X — solche Gefäße gleich irdenen כלי חרם betrachten, Falls die von mir S. 115 vorgeschlagene Emmendation וכלי für וכל richtig wäre, dann würde unsere Schrift mit den Karäern in dieser Frage übereinstimmen, aber ich hege jetzt keinen Zweifel mehr darüber, daß die zweite dort gegebene Erklärung die allein richtige ist. s) Eschkol 109b ff.; vgl. auch 109d über die Unreinheit der Erde und Steine, unter denen eine Leiche sich befindet; nach der Halachah ist das Grab verunreinigend nur solange eine Leiche darin ist; die Entfernung der Leiche entfernt die Ursache der Unreinheit, da das Grab selbst nicht unrein ist.