Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 57 (1913)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Eine unbekannte jüdische Sekte
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 404 (sequence 11)
- Language
- German
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404 Eine unbekannte jüdische Sekte. Das Gesamtresultat unserer Untersuchung über der! Charakter der Halachah in unserer Schrift läßt sich in folgenden Worten zusammenfassen: Die Halachah der Sekte vertritt in allen wesentlichen Gesetzesfragen — mit Ausnahme der Polygamie und der Nichtenehe — den pharisäischen Standpunkt und enthält nichts, was auf za ddukäischen, dosithäischen oder irgend einen andern häretischen Einfluß sich zurückführen ließe. Die Behauptung, daß der Karäer Kirkissani unsere Schrift kannte, hat sich im Verlaufe unserer Untersuchung als höchst unwahrscheinlich, wenn nicht gar als irrig erwiesen. Jedoch ist damit nicht gesagt, daß sie den alten Karäern ganz unbekannt geblieben. Wir wissen, daß unter ihnen häretische Schriften zirkulierten1). Die Rabbaniten beschuldigten sie sogar, solche für Propagandazwecke ge״ fälscht2) zu haben, was vielleicht eine nicht ganz unbegründete Beschuldigung, zugleich aber ein indirekter Beweis für das tatsächliche Vorhandensein anti-rabbanitischer Schriften von nicht-karäischer Provenienz ist. Es dürfte daher nicht ohne Interesse sein, das Verhältnis der karaitischen Halachah zu der unserer Schrift näher zu untersuchen, um *) Vgl. Pozüanski, REJ. XLV, 170 ff., wo die Literatur darüber zusammerigestellt ist, 2) R. Moses Tachau in seinem Werke וצר נחמד — כתב תמים& III, 62 — beruft sich auf »eine Mitteilung, die er von seinen Lehrern empfangen hat« לכבד שמענו מרבותינו,, daß Anan und seine Kollegen sich solche Fälschungen zu Schulden kommen ließen, und diese Beschuldigung bezieht sich nicht allein auf Fälschungen mystischer Schriften wie שעור ק׳ u. dgl. m., von denen kurz vorher die Rede war, sondern allgemein darauf, daß die Karäer Schriften fälschten, um ihren Lehren Autorität zu verleihen. Die Fälschungen von Schriften seitens der Karäer, um durch deren Ungeheuerlichkeiten die Rabbaniten im Verlegenheit zu bringen, wird auch von Maimonides erwähnt.