Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 57 (1913)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Eine unbekannte jüdische Sekte
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 399 (sequence 6)
- Language
- German
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Eine unbekannte jüdische Sekte. 399 nicht in der Nähe von Heiden zuzubringen, die Veranlassung zu der Beschuldigung der Menschenverachtung gegeben habe, ist gänzlich ausgeschlossen, denn wie schon oben S. 96 und 161 hervorgehoben worden ist, ging das talmudische Judentum in seinem Bestreben, das Zusammenwohnen von Juden und Heiden zu verhindern, noch viel weiter, so daß Epiphanius eine gemein-jüdische1) Eigentümlichkeit als Charakteristik der Dosithäer geben würde, falls seine Behauptung keinen andern Grund hätte als die Sabbathvorschrift. Als das sichere Ergebnis unserer Untersuchung stellen wir Folgendes fest: Nichts in unserer Schrift — wenigstens nicht in ihrem gesetzlichen Teile — kann als spezifische Lehre der Dosithäer angesehen werden. Sie enthält vielmehr eine Anzahl von Gesetzesbestimmungen, welche in ausgesprochenem Gegensatz zu der religiösen Praxis der Dosithäer steht. sfc * * % Während unsere vorhergehenden Untersuchungen die Beweise geliefert haben, daß unsere Schrift weder mit dem Zaddukäismus noch mit den Lehren des Dosithäer irgend welche Berührungspunkte haben, so hat Schechters) es höchst wahrscheinlich gemacht, daß das Buch der Jubiläen von ihr benutzt worden ist. Es ist daher doppelt interessant zu bemerken, daß, trotz dieser Beziehung zwischen den beiden Schriften, ihr gesetzlicher Standpunkt ein wesentlich verschiedener ist. Die Heiligung des Sabbaths ist zwar für beide Schriften von ganz eminenter Bedeutung, was sich schon äußerlich an *) Sogar die Karäer teilen diese Anschauung wie S. 96 bemerkt worden ist. *) Vgl. die von ihm im Register verzeichneten Parallelen, die aber, wenn man von der sehr verdächtigen Stelle 16, 3 absieht, diese Annahme nur zur Wahrscheinlichkeit, aber nicht zur Gewißheit erheben.