Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 57 (1913)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Drei neue Bücher über Rahel Lewin [Rezension]
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 388 (sequence 4)
- Language
- German
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388 Drei neue Bücher über Rahel Lewin. mit der Rahel zu lieben versteht. Wie Experimente zu Ellen Keys eignem Buch über Liebe und Ehe muten uns diese Verlobungen an, von denen die beiden ersten nicht zur Ehe führen konnten, weil die Liebe von seiten des Mannes nicht stark genug war, um alle Hindernisse zu beseitigen. In Raheis glücklicher Ehe mit Varnhagen sieht die Verfasserin die Illustration ihrer eigenen Ansicht: daß Wahrheit und Freiheit die Hauptbedingungen jeder harmonischen Vereinigung sind. Das Kapitel »Geselligkeit« gibt der Verfasserin ganz besonders Gelegenheit, Raheis Zeit mit der Gegenwart zu vergleichen. Mit Zartheit hebt sie dabei hervor, daß die getaufte Jüdin ihre eigenen Verwandten im Salon nicht vernachlässigte, sondern sie mit feinem Takt zur Geltung zu bringen suchte, wenn sie sich in Gegenwart der vielen Geistesgrößen . bedrückt oder allzu unbedeutend vorkamen. Eifrig verteidigt Ellen Key Rahel gegen Wilhelm von Humboldts Behauptung, daß sie in Gesellschaft häufig zu laut wurde. Ellen Key sieht darin eine jüdische — sie sagt »orientalische« — Eigenschaft, ein Sich-Gehen-Lassen, das bei lebhafter Diskussion leicht verzeihlich ist. Für viel berechtigter stellt sie Raheis Abneigung gegen Humboldt hin, dem sie eine Art der Unterhaltung zuschreibt, wie sie bei »jüdischen Intelligenzen« häufig vorkommt: glänzend ohne Wahrhaftigkeit, genial ohne Vertiefung. Unwillkürlich legt sich der Leser am Schlüsse dieses Kapitels die Frage vor, worin der große Reiz dieser Frau bestanden habe, die, ohne schön zu sein, die genialsten Denker und Künstler um sich versammelte und das Gesellschaftsleben auf einen solchen Höhepunkt brachte. Die Verfasserin gibt uns keine Antwort darauf, sondern sie läßt uns Rahel lauschend und redend in ihrem Kreise sehen; sie zählt nicht nur die Menschen auf, die bei ihr verkehrten, sondern sie skizziert ganze Abende in ihrem Verlaufe, wiederholt uns Gespräche mit ihrer Fülle gegenseitiger Anregung. Die Schilderungen