Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 57 (1913)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Drei neue Bücher über Rahel Lewin [Rezension]
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 387 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Drei neue Bücher über Rahel Lewin. 387 ligion dennoch den Akt der Taufe über sich ergehen ließ und die damit verbundenen Glaubensformeln aussprach, erwähnt die Verfasserin leichthin als etwas Nebensächliches, vermutlich wohl darum, weil sich in Rahels Aufzeichnungen keine eingehenderen .Bemerkungen darüber finden, daß sie selbst dieser Handlung Irgend welche Wichtigkeit beigelegt habe. Die Brüder billigten sie und waren ihr bei den dazu nötigen Vorbereitungen behilflich; der Bräutigam scherzte sogar in seinen Briefen über die bevorstehende Taufe. Wir empfinden heute anders und wundern uns darüber, daß Rahel »sich ganz und gar ohne Ahnen fühlte« {Badt, Rahel und ihre Zeit, S. 13). Wir vermissen jede Spur eines historischen Bewußtseins schmerzlich an ihr und können diesen Fehler nur verstehen und verzeihen, wenn wir uns in die Zeit ihrer geistigen Entwicklung versetzen, in jene Zeit einer Geistesrevolution, in welcher die Errungenschaften der Gegenwart den Reichtum der Vergangenheit vergessen ließen. Doch kurz vor ihrem Tode erinnerte sich Rahel noch einmal daran, daß sie eine »aus Ägypten und Palästina Geflüchtete« sei, und so hat sie im innersten Herzen immerhin einen Rest ihres Judentums bewahrt, der an ihr haftete, wie ihr Name; denn keiner von denen, die sie liebten, nannte sie mit dem neuen, in der Taufe erhaltenen Namen, sondern sie blieb für diese Rahel, wie Eltern und Geschwister sie genannt hatten. Ellen Key können wir nachfühlen, wie gern sie sich in den pantheistischen und kosmopolitischen Ansichten der von ihr analysierten Seele wiederfindet, wie hoch sie an ihr die Selbständigkeit des Denkens, das mutige Ankämpfen gegen Vorurteile und die Zerstörung jedes Autoritätsglaubens schätzt. Das umfangreichste Kapitel hat die Verfasserin der Darstellung von Rahels Liebesverhältnissen gewidmet. Sie läßt den Einfluß der Persönlichkeit, den eine geistig hervorragende Frau ausübt, in ihrem ganzen Zauber auch auf uns wirken, und wir erwärmen uns an der Innigkeit, 25*