Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1913-01-01 · Heft 4 · p. Seite 386

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
57 (1913)
Issue
Heft 4
Article
Drei neue Bücher über Rahel Lewin [Rezension]
Date
1913-01-01
Page
Seite 386 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2829132-2829851-2829856-2892349--40521-2892370
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

386 Drei neue Bücher über Rahel Lewin. gefunden hat, dem sie ihre ganze Liebe schenken kann, dann will sie ihn nicht egoistisch für sich behalten, sondern empfindet eine sichtbare Freude daran, ihre Bewunderung bekannt zu geben und Freunde und Verehrer für den Gegenstand ihrer Liebe zu werben. Warum hat sie sich bemüht uns das Ehepaar Browning, Rahel v. Varnhagen und andere nahe zu bringen? Nicht bloß, weil es ihr Bedürfnis ist, den feinsten Regungen hervorragender Geister nachzuspüren, sondern weil sie ihrer schriftstellerischen Tendenz am meisten treu bleibt, wenn sie ihre Ideale der Weltverbesserung uns an einzelnen hervorragenden Per- Sinnlichkeiten vorführt. Ihr Buch über Rahel enthält naturgemäß vieles, was vom Standpunkt des Judentums besonders interessant ist. Die Verfasserin beschäftigt sich eingehend mit Rahels Herkunft und erkennt als die besten ihrer Eigenschaften gerade diejenigen, die ihrer Rasse eigen sind, und führt in überzeugender Weise den Beweis, daß das Leben selbst Rahel dazu führte, in ihrer Abstammung nicht eine »Schmach«, sondern die notwendige Ursache ihres Werdeganges zu sehen. Sie zeigt uns Rahel als Kind ihrer Zeit, jener Epoche, in der das Wort Emanzipation, das jetzt in aller Leute Munde ist, erst in das reale Leben Übertragen wurde. Lange ehe säe es äußerlich tut, hat sie sich von ihrer Familie, von ihren Glaubensgenossen »emanzipiert«, und Ellen Key bemüht sich im Einzelnen nachzuweisen, daß Rahels Handlungen nach dieser Richtung hin die notwendige Folge ihrer Veranlagung und ihres Lebensganges gewesen und daher geeignet sind, unser ethisches Empfinden weniger zu verletzen, als wir gemeinhin anzunehmen geneigt wären. Sorgfältig sucht die liebevolle Verfasserin all jene Momente zusammen, durch die sich Rahel als pflichttreues Kind, als liebende Schwester, als rücksichtsvolle Verwandte und als die sich ihrer Stammesvorzüge bewußte Tochter Israels kund gibt. Daß Rahel dann trotz ihrer Ablehnung jeder positiven Re-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.