Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 57 (1913)
- Issue
- Heft 3
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 377 (sequence 2)
- Language
- German
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Besprechungen. 377 die M., R, Nehemia die Tos., Rabbi (R. Jehuda ha-Naßi) schloß dann die M. ab, so daß sie seinen Namen erhielt, und ebenso vervollständigten R. Chijja und R. Hoschaja die Tos. Sie fügten noch mehreres hinzu, so daß sie nach ihren Namen genannt wurde« (Darke ha-Mischna S. 306). Aus der Verschiedenheit der Zitate aus der Tos. im babylonischen und jerusalemischen Talmud ergab sich ihm später (in seinem Mebo ha-Jeruschalmi), daß R. Chijja und R. Hoschaja die Tos. nicht gemeinschaftlich herausgegeben haben, »sondern jeder von ihnen hätte ein besonderes Werk veranstaltet, und unsere Tos. sei eine Verschmelzung beider«. Aber Zuckermandel konnte sich mit dieser Erklärung nicht zufrieden geben, da sie — auf die Wirklich־ keit geprüft — nicht festgehalten werden könne. Er fand es vielmehr für richtig, daß die Tos. durchaus keine Erklärung der Mischna sei, weder nach Form noch nach Inhalt. »Formal hat die Tos. den Charakter einer Mischna, die indessen in der Ordnung der einzelnen Para־ graphen nicht mit der Mischna übereinstimmt, sondern einen anderen Emteilungsgrund hat, und sachlich ist sie der Mischna oft entgegengesetzt.« Beim Studium des von den Gräbern handelnden Traktates Oholoth in der Mischna und Tosefta mit den Noten von R. Elia Wilna zur Mischna nahm er wahr, daß dieser oft die M. nach der Tos. etnendierte und gewisse Stellen nach der jerusalemischen Gemara erklärte, während die babylonische Gemara eine ganz andere Auffassung hatte. Dadurch kam er auf den Gedanken, daß man in Babylonien in Bezug auf die Gräber ganz andere Anschauungen hatte als in Palästina — »In Palästina begrub man in Nischen, die in Felsen eingehauen wurden, in Babylonien in nicht tiefe Gräber« (S. 48) — und daß die Tosefta nur durch die betreffenden Anschauungen in Palästina zu erklären sei, während die Mischna nur auf Grund der babylonischen Anschauungen verstanden werden könne. Er erklärte sich daher die Verschiedenheiten zwischen M. und Tos. durch die Verschiedenheit von Ort und Zeit und stellte in der Monatsschrift 1874 in dem Artikel »Zur Halachakritik« die Behauptung auf, daß die Tos. den Rest des ursprünglichen palästinensischen Mischnakodex enthalte, während unsere Mischna der nach babylonischen Vorstellungen emendierte und gekürzte alte Kodex sei. In einem weiteren Artikel fügte er dieser seiner These nach hinzu, daß die jerüsalemische Gemara sich ur־ sprünglich auf die Tos. bezog und die babylonische Gemara auf die babylonische Mischna (sc. unsere Mischna). Später versuchte man den Jeruschalmi mit Babli auszugleichen, wodurch ersterer eine andere Gestalt bekommen hat. »Es entsprechen sonach den zwei Gemaren zwei Mischnas. Nachdem die Mischna (sc. die in Babylonien einendierte und gekürzte Mischna) in Babylonien Autorität erhalten hatte,