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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1913-01-01 · Heft 3 · p. Seite 374

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
57 (1913)
Issue
Heft 3
Article
[Rezension]
Date
1913-01-01
Page
Seite 374 (sequence 2)
Language
German
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374 Besprechungen. In dem überraschenden Übergange der Erläuterung von einem freigewählten Texte — meist der Propheten oder Hagiographen, nur ganz vereinzelt des Pentateuchs (S. 106) — zu dem offiziellen Schriftworte des betreffenden Tages lag das Neue, das den Zuhörer fesseln sollte. Daß die oft geistreiche Verknüpfung weit von einander abliegender Bibelverse auf die Gemeinde großen Eindruck machte, ergibt sich aus dem Umstande, daß eine große Anzahl soleher Verknüpfungen — Prooemien genannt — sich im Gedachtnisse der Nachwelt erhielt. Das Prooemium tritt schon in tannaitischer Zeit (vor dem Jahre 200) auf und ist vielleicht durch den geistvollen Agadisten Bar Kappara, auf den 4 von den 9 erhaltenen tannaitischen Prooemien entfallen, in Aufschwung gekommen (S. 103). Seine Blüte hat es in den palästinischen Schulen erreicht, die mit 257 erhaltenen Prooemien genannter und 1508 ungenannter Schrifterklärer vertreten sind, während sich von babylonischen Amoräern nur 10 erhalten haben. In den späteren palästinischen Mi drasch werken Rut und Koh. r., Midr. Samuel und Midr. Tehillim ist die prooemienartige Einkleidung nur noch literarische Form (S. 1157), nicht mehr Niederschlag des wirklichen lebendigen Predigtvortrags. Die Texte von Prooemium und Perikope müssen verbunden werden: das ist ja Wesen und Kern der Aufgabe. Manchmal wird der Zusammenhang durch Pressung eines Ausdruckes, manchmal durch homiletische Deutung des einleitenden Verses hergestellt. Manchmal gelingt es sogar nur einen Übergang zu dem Schriftverse zu finden, welcher dem Anfänge der Perikope vorangeht. Meist ergibt sich die Überleitung von Prooemium zu Perikope leichter: inhaltliche Verwandtschaft, Allegorese, Analogie dienen als Mitei des Überganges, oder der Inhalt der Perikope wird unter einen ethischen oder sonst leitenden Gedanken, eine These, eine allgemeine Aussage des Prooemiumtextes subsumiert (S. 116—120). Worüber man am häufigsten zu predigen hatte, ergibt sich aus den statistischen Daten, die B. aus dem ungeheuren Stoffe der Midraschliteratur herausschält. Von 374 Prooemien palästinischer (207) und babylonischer (10) Atnoraer und Tanchuma’s (57) beziehen sich auf pentateuchische Wochenabschnitte (123), auf pentateuchische Gelegenheits-Perikopen (60), auf prophetische Perikopen (15), auf das Hohelied (3), Rut (4), Klagelieder (32), Ester (26), Psalmen (2), Chronik (1). Woher die Prediger am liebsten ihren Anknüpfungspunkt holten, zeigt die Statistik der Bibelverse, die als Prooemientexte vorkommen. Hier erstreckt sich Bacher’s Statistik auch auf die anonym überlieferten Texte.

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