Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 57 (1913)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die Familie Schemtob in ihren Beziehungen zur Philosophie
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 335 (sequence 10)
- Language
- German
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Die Familie Scheintob in ihren Beziehungen zur Philosophie. 335 dies alles geleugnet, weil sie, die Tradition verschmähend, alles verwerfen, was nicht durch die sinnliche Wahrnehmung oder durch die Vernunft erfaßt werden kann. Die Annahme von bösen Mächten ist nach ihrer Ansicht auch deshalb abzulehnen, weil sie folgerichtig zum Dualismus führe, da von Gott als dem absolut Guten und Vollkommenen nur das Gute und Vollkommene und nicht das Böse und Unreine ausgehen könne. Es gehört jedoch zu den Grundlehren der Thora und ist eine nach den Lehrern der Kabbala bis auf Adam und Moses zurückgehende Tradition, daß es solche böse Geister gibt, daß Gott, wie er gute Wesen geschaffen hat, um den Menschen zum Guten anzuleiten, so auch böse, die ihn zum Bösen zu verführen suchen1). Unter Berufung auf die hervorragendsten Lehrer der Kabbala bekennt er sich zu der auch von den älteren Philosophen vertretenen, von den neueren aber und auch von Saadja verworfenen Lehre von der Seelenwanderung, in der er die befriedigendste Lösung erblickt für die schwierige und soviel erörterte Frage, woher es komme, daß es den Frommen im Leben oft schlecht und den Gottlosen gut gehe2). Dagegen bekämpft er den zwar in das hohe Altertum hinaufreichenden und auf eine prophetische Eingebung zurückgehenden, aber durch schwere Mißverständnisse entstellten Glauben an einen Einfluß der Gestirne auf die Gestaltung der menschlichen Schicksale und hält es für ein Glück, daß die zahlreichen darüber verfaßten Schriften in den Stürmen und Umwälzungen des Völkerlebens untergegansonides (Milchamot Adonai VI, 2, 14, S. 463, ed. Leipzig) nicht ab und Simon ben Zemach Duran bekennt sich, von Nachmanides beeinflußt, gleichfalls zu dem Glauben an die Wirksamkeit der Zauberei, wie er auch den Widerspruch der Philosophen gegen den Dämonenglauben für unberechtigt hält. Vgl. Guttmann, die Stellung des Simon b. Zemach Duran in der Geschichte der jud. Religionsphilosophie in dieser Monatsschrift, Jabrg. 52, S. 659. l) Emunot V, 1 ff. י) Das. VI, 1 ff.