Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 57 (1913)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die Familie Schemtob in ihren Beziehungen zur Philosophie
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 328 (sequence 3)
- Language
- German
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328 Die Familie Schemtob in ihren Beziehungen zur Philesophie. Schicksals ausgesetzt sind, was mit dem Glauben an das Walten einer göttlichen Vorsehung durchaus nicht im Widerspruch steht1). Gegen diese Ausführung erhebt Schemtob zunächst den Einwand, daß man nach Maimcnides zur Erlangung der intellektuellen Vollkommenheit, von der die Obhut der göttlichen Vorsehung bedingt sein soll, sich zuerst mit der Logik, dann mit der Mathematik, dann mit der Physik und endlich mit der Metaphysik müßte beschäftigt haben2), was als eine die Religion unterwühlende Ansicht zurückzuweisen ist®). Ferner: wenn es wahr wäre, daß der Mensch, solange seine Verbindung mit der Gottheit nicht unterbrochen ist, unter der Obhut der göttlichen Vorsehung steht, und daß die Propheten und die Frommen den Heimsuchungen des Schicksals nur dann ausgesetzt sind, wenn diese Verbindung unterbrochen wird, wie erklärt es sich, daß Propheten, wie der zur Zeit des Königs Joas lebende Sacharjah, in der Ausübung ihres prophetischen Berufes, und Fromme, wie Akiba, in der Ausübung ihrer Lehrtätigkeit getötet wurden? Und wozu braucht der Mensch noch die Gebote zu erfüllen, wenn er durch die Vorstellung der getrennten Intelligenzen gleichsam eins mit der Gottheit geworden und über alle Zufälligkeiten des Schicksals hinausgehoben worden ist? Müßten endlich diejenigen, die durch die Verbindung mit den getrennten Intelligenzen der Obhut der göttlichen Vorsehung teilhaftig geworden sind, nicht auch vom Tode verschont bleiben, wenn dieser auch sonst als eine Naturnotwendigkeit anzusehen ist? Maimonides lehrt im Gegensatz zu Aristoteles, daß sich Gottes Wissen auch auf die Einzeiindividuen erstrecke. Gott kennt also das Verdienst der Frommen und die Schuld der Sünder, und dennoch läßt er die Frommen unschuldig leiden. Da wäre es doch *) More a. a, O. *) More 1, cap, 34 (Ouide I, S. 123). *) Emunot I, 3, S. 8b—10 b.