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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1913-01-01 · Heft 3 · p. Seite 312

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
57 (1913)
Issue
Heft 3
Article
Ein neuentdecktes Grabgedicht einer römischen Jüdin
Date
1913-01-01
Page
Seite 312 (sequence 4)
Language
German
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312 Ein neuentdecktes Qrabgedicht einer römischen Jüdin. für den wahren Glauben, quae oera fibes. Hierin kann ich Bormanns Erklärung nicht beistimmen. M. E. ist in unserer Stelle von der Verheißung des ewigen Lebens als Lohn für den wahren Glauben keine Rede: quae oera fibes ist eine in das Satzgefüge eingeschobene Paranthese und die Worte in Z. 6 ff. sind so zu übersetzen: »Wahrhaftig, sie kann hoffen, daß sie sich in die Ewigkeit erheben wird, welche nach der wahren Glaubenslehre den Würdigen und Frommen verheißen ist, sie, die es verdient hat, einen Sitz im ehrwürdigen Lande zu haben.« So aufgefaßt stimmt die Stelle vollkommen mit den eschatologischen Vorstellungen überein, wie sie sich schon vor der Zeit der Abfassung unserer Inschrift im Schoße des Judentums, unbeeinflußt von der neutestamentlichen Predigt, zu einer festen Lehre verdichtet hatten; die oera fibes ist die Religionslehre der Pharisäer, der Frommen, wie sie sich im Gegensatz zu den Sadduzäern, den Männern der Welt, nennen. Der pharisäischen Lehre von der Unsterblichkeit, die vermutlich unter dem Einfluß der persischen Religion entstanden ist, entspricht die Beschränkung der Verheißung ewigen Lebens auf die Frommen und Würdigen, daß die Seele dessen, der die Gebote Gottes achtet, zum Himmel aufsteigt, um in Gottes Nähe unter dem Throne seiner Herrlichkeit zu weilen, auf die Zeit der Welterneuerung harrend1), während den Frevler ewige Verdammnis trifft. Zweifelhaft ist mir, was veneranbum ms bedeutet, ob das Paradies, wie Bormann annimmt, oder das heilige Land, Palästina. Beide Auslegungen würden mit jüdischen Religionsanschauungen im Einklang stehen. Es würde dem jüdischen Rabbinismus entsprechen, daß der Fromme im Lande des Lebens, im Paradies seine weitere Existenz führt, in dem Lande, in welchem dem Menschen ohne die Sünde des ersten Menschenpaares von vornherein ewiges Leben beschieden war. Aber auch i) Köhler, Grundriß einer systematischen Theologie des Juden• tums S. 208 ff.

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