Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 57 (1913)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Ein neuentdecktes Grabgedicht einer römischen Jüdin
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 311 (sequence 3)
- Language
- German
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Ein neuentdecktes Grabgedicht einer römischen Jüdin. 311 Bormann hat richtig erkannt, daß darunter nicht etwa die Liebe zu den Kindern verstanden werden könne; es ist in der ganzen Inschrift nirgends angedeutet, daß die Verstorbene solche hinterlassen hat, und der betrübte Gatte findet lediglich in der Hoffnung auf das frohe Schicksal, das der Verschiedenen im Jenseits beschieden ist, seinen Trost. Ich möchte überhaupt im Gegensätze zu Bormann eine bedeutend kürzere Dauer der Ehe annehmen. Die Worte in Z 3 ff. werden von ihm dahin gedeutet, daß Regina mit ihrem Gatten 21 Jahre, 3 Monate und 22 (23) Tage zusammen gelebt habe. Ich fasse in der Inschrift den Akkusativ nach post als die Dauer ihres Lebens vor der Ehe auf und übersetze: »sie hat nach ihrer Heirat im einundzwanzigsten Lebensjahre mit ihm ein Jahr, vier Monate, weniger acht Tage zusammen gelebt.« Hiezu paßt besser die rühmende Hervorhebung der vitapubica, deren Betonung bei einer noch jugendlichen und begehrenswerten Frau weit eher zu tolerieren ist, als bei einem Weibe, das bereits das kanonische Alter erreicht hat. Aber die Liebe zur Verwandtschaft ist etwas, dessen Hervorhebung vollkommen dem Geist des Judentums in der Diaspora entspricht; sie ist ein Zug, der in bemerkenswerter Weise auch in der Grabarchitektur am Monfeverde, in den aufeinander getürmten Sarkophagen der Angehörigen einer Familie, zutage tritt Der Herausgeber nimmt in unserer Grabschrift neben dem römischen und jüdischen noch ein drittes Element, das christliche, an; er führt die schönen Worte, welche der Verstorbenen das ewige Leben als Lohn ihres frommen, und tugendhaften Wandels künden, auf die Einwirkung des Apostels Paulus zurück, der, wie von ihm treffend ausgeführt wird, im Kreise der aus kaiserlichen Sklaven und Freigelassenen jüdischer Herkunft zusammengesetzten Synagogengemeinden seine Wirksamkeit entfaltet hat. Christlich sei, was von der sebes veneranöi ruris, von ihrem Sitz im Paradies gesagt wird und ebenso die Verheißung der Ewigkeit