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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1913-01-01 · Heft 3 · p. Seite 304

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
57 (1913)
Issue
Heft 3
Article
Eine unbekannte jüdische Sekte
Date
1913-01-01
Page
Seite 304 (sequence 21)
Language
German
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304 Eine unbekannte jüdische Sekte. bezüglich des דם טהר zu finden, ist x. St. auch dann als verfehlt nachgewiesen worden, wenn man der Ansicht Geigers von einer Differenz zwischen Zaddukäern und Pharisäern bezüglich דם טהר beistimmt, die aber, wie ich an einer anderen1) Stelle nachgewiesen, ganz unbegründet ist, und es ist sogar höchst wahrscheinlich, daß an dieser Stelle gegen die erleichternde Ansicht der Zaddukäer bezüglich der זבה opponiert wird2). Wichtiger noch als dies negative Moment ist die positive Tatsache, daß das Verbot der Polygamie und der Nichtenehe, die einzigen häretischen Halachoth in unserer Schrift, ebenso antizaddukäisch wie antipharisäisch sind. Berücksichtigt man noch dazu, daß die pharisäische Halachah lange nicht so stabil war wie die zaddukäische, so stände nichts im Wege gegen die Annahme, daß in diesen Fragen unsere Schrift einen altpharisäischen3) Standpunkt vertritt, der von den späteren Pharisäern aufgegeben wurde, während bei der Stabilität der zaddukäischen Halachah4) eine x) Vgl. meine Bemerkung zu Geiger קבוצת מאמר׳ S. 385. 2) Vgl. oben S. 30; daß die Zaddukäer in all den Einzelheiten bezüglich der נדה *Vorschriften einen erleichternden Standpunkt gegenüber den Pharisäern einnehmen, ergibt sich auch aus der Angabe der Tannaitn — Tosefta Nid. V, 3 und Parallelstellen — daß die Frauen der Zadukäer ihre diesbezüglichen Fragen den pharisäischen Schriftgelehrten zur Entscheidung vorlegten. Da nicht an zun eh men ist, daß die Frauen es hinter dem Rücken ihrer Männer taten und diese sicher nicht so indifferent gegen die Beobachtung des Gesetzes waren, daß sie mit ruhigem Gewissen nach den Entscheidungen der Pharisäer sich riehteten, auch wenn diese etwas gestatteten, was nach ihrer Ansicht verboten ist, so folgt daraus, daß die Pharisäern an allen diesen Fällen erschwerende Ansichten vertraten, nach welchen die Zaddukäer des lieben Friedens wegen — ihre eigene Frauen sympathisierten mit ihren Gegnern — sich richten mußten. Vgl. auch w. unten Abschnitt V. s) Vgl. S. 32, wo wahrscheinlich gemacht wurde, daß in sehr alter Zeit die Nichtenehe auch manchen Pharisäern als verboten galt. 4) Die pharisäische Halachah war während der tannaitischen Periode, infolge der reichen Verwendung des Midrasch, ziemlich flüssig, während dieser belebende Faktor den Zaddukäern beinahe gänzlich fehlte.

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