Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1913-01-01 · Heft 3 · p. Seite 300

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
57 (1913)
Issue
Heft 3
Article
Eine unbekannte jüdische Sekte
Date
1913-01-01
Page
Seite 300 (sequence 17)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2829132-2829851-2829855-2892194--40422-2892261
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

300 Eine unbekannt« jüdische Sekte. ein indirekter Beweis sich anfQhren ließe dafür, daß dieselbe die Ehescheidung gestattet. Den Gegnern wird — 4, 20 — vorgeworfen, daß sie in Unzucht leben, weil sie gegen das Verbot der Schrift — Lev. 18, 8 — mehrere Frauen heiraten. Wäre nun die Ansicht des Verfassers gewesen, daß Ehescheidungen gesetzlich unzulässig sind und daß demnach, wer eine geschiedene Frau heiratet, Ehebruch begeht, dann hätte er den Gegnern eher Ehebruch vorgeworfen als Polygamie, die sogar, wenn man seine Interpretation aus Lev. 18, 18 akzeptiert, keine so schwere Sünde sei wie jene. Dieser indirekte Beweis gewinnt an Stärke, wenn man die Worte unserer Schrift mit den ihnen ähnlichen Aussprüchen bei den Synoptikern1) vergleicht. Der biblische Satz »Männlein und Weiblein schuf er sie« wird sowohl von unserer Schrift wie von den Synoptikern zitiert zum Beweise dafür, daß die Ehegesetze der Pharisäer gegen die Lehre der Schrift Verstößen. Die Synoptiker aber fügen noch den sehr wichtigen Satz hinzu: »Wer sich von seinem Weibe scheidet und freit eine andere, der bricht die Ehe mit jener; und wenn sie sich scheidet von ihrem Manne und freit einen andern, so bricht sie die Ehe.« Hätte unser Verfasser denselben ablehnenden Standpunkt gegenüber der Ehescheidung angenommen, so wäre es höchst auffällig, wenn er mit keinem Worte die Wiederverehelichung der Geschiedenen berührt hätte, und wir dürfen wohl annehmen, daß unsere Schrift hur die Polygamie, aber nicht die Ehescheidung verbietet, während das zadokitische Buch wohl diese, aber nicht — wenn man das Stillschweigen Kirkissanis über diesen Punkt deuten darf — jene. Einen dritten Grund für die Identität unserer Schrift mit dem zadokitischen Buche findet Schechter in der Übereinstimmung der beiden Schriften mit Bezug auf den Kalender. Freilich enthält unsere Schrift nichts •) Matth. XIX, 3—10; Mark. X, 2—12; Luk. XVI, 18. s) Mark. X, 12.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.