Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 57 (1913)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Eine unbekannte jüdische Sekte
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 296 (sequence 13)
- Language
- German
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296 Eine unbekannte jüdische Sekte. Bestimmtheit angeben. Entschieden falsch aber ist die Behauptung Frankels* 1), daß »zur Zeit des zweiten Tempels der Bildung und Wissen vertretende Stand nur die Monogamie kannte«. Der oben erwähnte Streit der Schulen über die Leviratsehe, der צרות, setzt die Polygamie voraus, und wir haben sogar das direkte Zeugnis, daß sie sowohl unter den hohepriesterlichen Familien2 *) als auch unter den Nachkommen Hilleis vorkam8), und diese gehörten doch sicher zu den Vertretern der Bildung und des Wissens! Das Bestreben zur Einschränkung der Polygamie tritt uns erst um 300 entgegen, in der Lehre eines palästinensischen Amora4 * * *), daß eine Frau auf Ehescheidung bestehen kann, falls ihr Ehegatte eine zweite Frau heiraten will. Das absolute Verbot der Polygamie dagegen wurde bekanntlich *) Grundlinien des mosaisch-talmud. Eherechts S. 10. *) Tosefta, Jeb. I, 10 und die Parallelstellen in ßabli 14b und Jer. 1, 3a; diese Familien sind: .עלובאי und Kö'p Kaiaphas. Diese Stelle zeigt übrigens die Haltlosigkeit der Behauptung Geigers — 183 קבוצת מאסר ff. — daß die Zaddukäer die Leviratsehe auf ארוסות beschränkten, denn wir wissen ja, daß Kaiaphas einer zaddukäischen Familie angehört hat, und es wäre doch sinnlos von R. Josua gewesen, auf die Praxis der Zaddukäer zu verweisen, falls diese überhaupt nicht die Leviratsehe bei נשואות vollzogen. Was die Schwierigkeit betrifft, die der Talmud in den Worten R. Josuas findet, der auf eine Frage über den Status der צרות eine Antwort gibt, die mit den Nachkommen derselben zu tun hat, so ist darauf hinzuweisen, daß sowohl Tosefta wie Jeruschalmi בני צדות in der Frage haben, wodurch die Schwierigkeit verschwindet• *) Abba, ein Sohn des Patriarchen Rabban Simon b. Gamaliel I, Bruder des Patriarchen R. Gamliel II und wahrscheinlich ein hervorragendes Mitglied des Synhedrions zu Jabneh, war gleichzeitig mit seiner Nichte, der Tochter d. R. Gamaliel und einer zweiten Frau verheiratet, und, als er kinderlos starb, wurde die Frage aufgeworfen, ob R. Gamaliel »die Nebenfrau« seiner Tochter ehelichen dürfe, Jeb. 15 a; vgl. auch meinen Artikel Abba in der Jewish Enc. I, 29. 4) jeb. 65a; diese Ansicht wird von dem Babylonier Rabba bestritten, während die Karäer — vgl. oben S. 26 — diese Einschränkung der Polygamie akzeptieren und sogar für biblisch halten, woran dieser Amora nie gedacht hat.