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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1913-01-01 · Heft 3 · p. Seite 295

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
57 (1913)
Issue
Heft 3
Article
Eine unbekannte jüdische Sekte
Date
1913-01-01
Page
Seite 295 (sequence 12)
Language
German
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Eine unbekannte jüdische Sekte. 295 die Stabilität des Gesetzes bezüglich der Verwandtschafts« eben ist die Tatsache, daß die Meinungsverschiedenheit der Schammaiten und Hilleliten über einen Spezialfall der Leviratsehe, der sogenannten צחת, einen nachhaltigeren Eindruck auf die späteren Generationen machte als all die vielen hunderte von Differenzen dieser beiden Schulen zusammengenommen1). Man konnte sich später2) gar nicht erklären, wie über eine so vitale Frage die halachische Tradition schwankend gewesen sein konnte. Die Analogielehre hat aber noch weitere Konsequenzen gehabt als das bloße Verbot der Nichtenehe, denn das Verbot der Polygamie —■ nicht der Ehescheidung! — ist, wie S. 24 ff. nachgewiesen ist, eine direkte Folge der Analogielehre. Wie weit verbreitet die Polygamie um die für uns in Betracht kommende Zeit8) war, läßt sich nicht mehr mit Verwandtschaft gewählt wurde. Büchler — J. Q. R. 1913, 439 — hat merkwürdigerweise den Ausdruck צי הב׳ mißverstanden und glaubt, daß überall בת wörtlich zu nehmen sei! *) Mischnah, Jeb. I, 4; Tosefta I, 9 und 10; Babli 14a—16a; Jer. I, 3 a. Auf Grund dieser Toseftastelle wäre man geneigt anzunehmen, daß ursprünglich, um den verschiedenen Ansichten gerecht zu werden, im Falle einer צרה die Chalizah-Zeremonie vollzogen wurde, die nach den Hilleliten zwar überflüssig, aber nicht verboten ist, aber nicht die Leviratsehe, die nach den Hilleliten Blutschände wäre. Es sei hier zugleich darauf hingewiesen, daß aus dieser Differenz der beiden Schulen die Grundlosigkeit der Behauptung Geigers — ,88 קבלצת מאמר — wonach die Schammaiten als angebliche Vertreter der alten Halachah die Leviratsehe einzuschräriken suchten, sich erweist, denn es sind gerade diese Gelehrten, welche im Gegensatz zu den Hilleliten die צרות in die Leviratsehe einschließen; vgl. auch weiter unt. S. 299 f. mit Bezug auf dieZaddukäer, die, wie wir dort nachgewiesen, mit den Pharisäern in der Anwendung der Leviratsehe übereinstimm־ ten und nicht, wie Geiger behauptet, dieselbe auf ארוסה beschränkten. *) Verhältnismäßig aber schon sehr früh, denn schon um 100 wurde der Versuch gemacht, diese strittige Frage endgültig zu ent״ scheiden; vgl. die in Anm, 1 erwähnten Quellen. '•) Der Terminus a quo für unsere Schrift ist die makkabäische Erhebung, der ad quem die Zerstörung des Tempels; vgl. weiter unten Abschn. VII.

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