Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1913-01-01 · Heft 3 · p. Seite 294

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
57 (1913)
Issue
Heft 3
Article
Eine unbekannte jüdische Sekte
Date
1913-01-01
Page
Seite 294 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2829132-2829851-2829855-2892194--40416-2892255
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

294 Eine unbekannte jüdische Sekte. ehen, עריות, gehören nach der Ansicht der Rabbinen1) zu den wesentlichsten Bestandteilen der Torah, und es ist wohl anzunehmen, daß eine so wichtige Frage, wie die der Nichtenehe2 *), schon sehr früh entschieden war. Die Abweichung von einer solchen Entscheidung kann daher nur als eine Haeresie, und nicht etwa als übertriebene Rigorosität angesehen worden sein. Wo es sich um die Familienreinheit handelte, gab es für die Rabbinen keine Kompromisse; entweder ist eine bestimmte Eheverbindung verboten, oder sie ist es nicht. Im letztem Falle durfte auch der entschiedenste Rigorist sich keine abweichende Meinung gestatten, da sonst an den Nachkommen solcher Ehen der Makel des Bastardentums, טמירות, haften würde®). Daher gibt es auch in der ganzen halachischen Literatur, trotz der vielen Tausende von Meinungsverschiedenheiten unter den Gelehrten, keinen einzigen Fall von Verwandtschaftsehen, worüber nicht Einstimmigkeit herrschte; und wir verstehen auch den Grund, warum die talmudischen Quellen die Nichtenehe gerade als eine besonders fromme Handlung anempfehlen4). Bezeichnend für *) Abgesehen von vielen diesbezüglichen haggadischen Aussagen — vgl. z, B. meine Legends of the Jews IV, 238 — ist darauf hinzuweisen, daß בלוי עריות das einzige Zeremonialgesetz ist, welches man nicht übertreten darf zur Rettung des Lebens; vgl. S. 23. *) Da diese Eheverbmdung auf Grund der Analogielehre verboten wird, so dürfte wohl diese Sekte noch viele andere Ehen für verboten erklärt haben, die nach Ansicht der Rabbinen gestattet sind; die Karäer dehnen die Analogie bis ins Unendliche aus! *) Vgl. Jeb. 14b unten: הולד פגום; in diesem Falle handelt es sich aber nicht um wirkliches ממזרות, das einen aus »der Gemeinde Gottes« — Deut. XXIII, 3 —־ ausschiießt! 4) Vgl. S. 31 ff«, Konkrete Fälle aus fannaitischer Zeit sind die Ehen R. Eüesers b. Hyrkanos, — vgl. oben zu 5, 7 — seines Schwagers Abba — vgl. w. u. — und seines jüngeren Zeitgenossen R. Jose aus Galiläa — Gen. r. XVII. 3 — wonach die Behauptung von Krauß in der Köhler-Festschrift, wie in Studies of Jewish Lit. 170 zu berichtigen ist. Der Ausdruck צרת הבת spricht übrigens deutlich genug für die Häufigkeit der Nichtenehen — nicht allein der Schwestertochter wie Kr. a. a. O. behauptet! — da nur deswegen, diese Bezeichnung für Leviratsehen im Falle von Bluts-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.