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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1913-01-01 · Heft 3 · p. Seite 290

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
57 (1913)
Issue
Heft 3
Article
Eine unbekannte jüdische Sekte
Date
1913-01-01
Page
Seite 290 (sequence 7)
Language
German
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290 Eine unbekannte jüdische Sekte. der Vorwurf, der in unserer Schrift gegen die Gegner erhoben wird, nämlich, daß sie »die Grenzen, welche die Alten festsetzten, verrücken« — 1, 16 — doch am wahrscheinlichsten nichts anders aussagen will, als daß die Gegner »die Überlieferung der Väter« «apaSout; vöv wa׳rsp<ov, 1vapdS0(>t; töv TcpsaßuTspwv verwarfen. So wird nicht allein in midraschischen Quellen das biblische Verbot über das Verrücken der Grenzen auf die Mißachtung alter Bräuche bezogen, wie schon auf S. 7 erwähnt wurde, sondern auch Philo bemerkt mit Bezug auf dieses biblische Gesetz: »Dieses Gesetz ist aber, wie es scheint, nicht nur für Be- Sitzungen und die Grenzen des Ackers gegeben, sondern auch für die Beobachtung alter Sitten. Denn Gewohnheiten sind ungeschriebene Gesetze, Verordnungen der Männer der Vorzeit, welche ... in den Seelen der Bürger leben und es sind also die Kinder verpflichtet, das Erbe der Väter anzutreten, die väterlichen Sitten und Gewohnheiten . . . und ihre Überlieferungen nicht zu verachten, weil sie ungeschrieben sind«1). Gewiß, auch die Zaddukäer hatten ihre Überlieferungen, der Pentateuch konnte ohne autoritative Auslegung nicht als Gesetzbuch gebraucht werden. Will man aber nicht in purer Willkürlichkeit die einstimmige Überlieferung der rabbinischen Quellen, des Josephus und des Neuen Testaments über den Zaddukäismus über den Haufen werfen, so waren den *) Einzelgesetze IV, 149; II, 360—61, ed. M.; wie so häufig bei Philo, Liegt auch hier eine Mischung jüdischer und griechischer Vor- Stellungen vor; daß der Begriff des ungeschriebenen Gesetzes nicht wie Hirzel (Abhandl. sächs. Ges. d. Wiss. Phil.-hist. Kl. Bd. 20; 16 ff.) behauptet, ganz der griechischen Philosophie entnommen ist, zeigt die Übereinstimmung Philos mit den Rabbinen in der Deutung des Gesetzes Deut. 19, 14 auf die Verbindlichkeit der mündlichen Lehre. Auch in der geonäischen Literatur bedeutet »Verrücken der Grenzen« so viel wie: »Veränderung der Gebräuche«; vgl. Ben Mei'r — ed. Bornstein 47 und 95 — und das Responsum R. Seherira’s in אשכול I, 54 ed. Auerbach.

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