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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1913-01-01 · Heft 3 · p. Seite 280

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
57 (1913)
Issue
Heft 3
Article
Christliche Talmudforschung
Date
1913-01-01
Page
Seite 280 (sequence 9)
Language
German
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280 Christliche Talmndlorschüng. Es ist also kein Paradoxon, wenn gesagt wird: der Partikularismus des Christentums fordert Missionstätigkeit, der Universalismus des Judentums macht es ihm leicht, auf Seelenfang zu verzichten und sich auf die innere Mission zu beschränken. Sie besteht in der Hütung und Behütung seines heiligen Erbes, des ihm von Gertt anvertrauten Gutes, in der Überzeugung von der naessianischen Erwartung, daß dieses Gut Gemeingut aller Menschen werden werde. So versteht Israel seinen Beruf an die ganze Welt, und so faßt es seine Aufgabe, alle Menschen zum Monotheismus zu führen. Den Juden ist nur aufgetragen, es als ihre oberste Aufgabe zu betrachten, »Kiddusch ha-Schem« zu betätigen, d. h. den Namen Gottes durch ihr Verhalten zu heiligen, und durch diese Vorbildlichkeit die eigene Erkenntnis Gottes zum Gemeingut aller Menschen zu machen1). Nicht aber mittels zudringlicher Belehrung und Anwendung von Gewalt. Es zeugt aber auch nicht von einem Übermaß an Gerechtigkeit und Menschenliebe, wenn christliche Theologen dem Judentum vorwerfen, es »tut nichts für die Verbreitung des Monotheismus und hat schon lange nichts mehr dafür getan«, und daraus beweisen wollen, daß es »eine kranke oder verknöcherte Religion ist«. Das ist, bei manchen vielleicht unbewußt, nackteste, grausamste Schadenfreude. Wann hätten die Juden Mission treiben sollen? Etwa während der Judenmetzeleien zur Zeit der Kreuzzüge, des schwarzen Todes, des Vincente Ferrer, des Johann Capistrano, des Chmelnicki, der Inquisition und der sonstigen unzähligen Judenschlachten, Ausplünderungen und Vertreibungen? Oder sollen die Juden von heute Mission treiben? Die fünfzehnhundertjährige Arbeit der Kirche an Israel steckt ihnen noch in allen Gliedern. Und diese Arbeit hat ja gar nicht aufgehörfc. Die Hälfte oder mehr als die Hälfte aller Juden seufzt noch heute unter unmenschlichen Gesetzen, die in Kosakenpeitsche, Pogrom und Austreibung ihren schönsten Ausdruck *) Vgl. Güdemaan, Jüdische Apologetik, S. 81.

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