Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 57 (1913)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Christliche Talmudforschung
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 278 (sequence 7)
- Language
- German
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78 Christliche Talmudfortchuug. selyten, die die Geschichte kennt, alle durch »eine wirkliehe oder vermeintliche Blutsverwandschaft« mit den Juden verbunden waren — muß erst ein neuer Semi-Gotha geschrieben werden. Freilich war Massenbekehrung und rapides Hereinfluten von Proselytenhaufen dem offiziellen palästinensisehen Judentum nicht sympathisch1) — und die Geschichte hat ja diese Zurückhaltung gerechtfertigt2) — aber aufrichtige Proselyten, die nach Überwindung des Heidentums sich zum Judentum bekehren wollten, wurden auch von den Rabbinen mit offenen Armen empfangen. Ja, aufrichtig muß die Bekehrung sein, »für Gott, wer aber aus Liebe zu einer jüdischen Person, oder aus Furcht, oder aus Aussicht auf ein Amt sich bekehrt, der ist kein Proselyt und darf nicht ins Judentum aufgenommen werden* *)«. Multum, non multal Es ist aber auch dem Judentum leicht, an diesem Grundsatz festzuhalten. Mission wird aus Herrschsucht oder aus Menschenliebe — um auch andere der eigenen Seligkeit teilhaftig werden zu lassen — oder aus beideu Motiven zugleich betrieben. Nun strebt aber das Judentum nicht nach Herrschaft und Macht, und um seine Menschenliebe in erwähntem Sinne zu betätigen, bedarf es ebenfalls nicht der Mission, da es die Seligkeit und das Heil nicht von der offiziellen Zugehörigkeit zum Judentum abhängig macht. Denn das Judentum lehrt, daß auch die Frommen der Heiden Anteil an der ewigen Seligkeit haben4). Und in einer *) Vgl. Graetz IV*, 109 ff.; Giidemann in Österr. Wochenschrift 1896, N. 8. *) Vgl. Schreiner, Die jüngsten Urteile über das Judentum, S. 62. *) Mischneh Torah, איסורי ביאה XIV, 13. Quelle: Baraitha Jebamoth 24 b, Traktat Gerim I, 7. *) Tosefta Synhed. XIII, 2, Bab. ibid. 105a, Mid. Ps 9, 18, ed. Bnber, S. 60. Kodifiziert in Mischneh Torah חשובה III, 14, עדות XI, 10 und מלכים VIII, 11. Man erkennt aus der dreimaligen Kodifizierumg