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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1913-01-01 · Heft 3 · p. Seite 276

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
57 (1913)
Issue
Heft 3
Article
Christliche Talmudforschung
Date
1913-01-01
Page
Seite 276 (sequence 5)
Language
German
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276 Christliche Talmudforschung. für das Christentum von Universalismus nur soviel, daß jedermann Christ werden kann. Dasselbe ist aber auch im Judentum der Fall: wer will, der kann Jude werden, und »jedeiy der Kraft ansetzt, dringt hinein«. Denn daß das Judentum eine Religion auf nationaler Basis und auf die Abrahamskinder beschränkt sei, ist zwar eine geläufige These der christlichen Theologie, aber nichtsdestoweniger eine Erfindung. Es gilt in Wirklichkeit der Grundsatz: Wenn ein Nichtjude Proselyte werden will, so reicht man ihm die Hand, um ihn unter die Flügel der Schechinah zu bringen«1). In Maimonides’ Gesetzeskompendium heißt es: »Moses hat die Torah und die Gebote nur Israel vererbt und allen von den andern Völkern, die Pros elyten ■werden wollen«2 *). »Da Abraham verheißen wurde: »zum Stammvater eines Haufens von Völkern mache ich dich«8), so ist er der Vater aller Menschen, die unter die Flügel derSchechina eingehen«4 * * *). Dasselbe in einem Responsum. Ein Muslim, der sich zum Judentum bekehrt hatte, befragte ihn, ob er in dem Gebet die Formel: »der Gott unserer Väter, der Gott Abrahams, *) Lev. r. II, 1, Seder Elia r. Kap. 6, ed. Friedmann, S. 35. Vgl. Jebamoth 47 b, wo in der Baraitha betont wird, daß man dem Proselyten nicht den Eintritt erschweren soll: man spricht ihm nicht allzuviel und allzugenau von den Pflichten, die ihn erwarten, אין מרבי ן עליו ואין מדקדקין עליו♦ Friedländer, Religiöse Bewegungen, S, 31 und Anm. 3, scheint diese Stelle nicht genau gelesen zu haben, er hätte sonst nicht aus ihr beweisen wollen, daß der Pharisäismus den Heiden den Eintritt in das Judentum erschwerte. Vgl. Maimonides, Mischneh Torah, ,איסורי ביאד XIV, 2. 2) Mischneh Torah, מלכים VIII, 2, 8) Gen. 17, 5-6. 4) Mischneh Tora, ביכורים IV, 3. Die Quelle ist Jer. Bikkurim I, 4 (64a oben). Die Deutung von אברדם als Vater aller Menschen auch Tosefta Berachoth I, 15, Ber. 13a. Vgl. Röm. 4, 16. Schon früher Philo; vgl. Friedländer, Religiöse Bewegungen, S. 362. Daß dies, wie wir gesehen, auch die Anschauung des Pharisäismus ist, weiß Friedländer nicht.

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