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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1913-01-01 · Heft 3 · p. Seite 275

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
57 (1913)
Issue
Heft 3
Article
Christliche Talmudforschung
Date
1913-01-01
Page
Seite 275 (sequence 4)
Language
German
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Christliche Talmudforschung. 275 durch hochtönende, hohle Phrasen die Dinge anders er« scheinen lassen zu können als sie wirklich sind. Zunächst der Universalismus. Der Universalismus soll der Zentralgedanke des Christentums sein. Schön. Aber worin besteht eigentlich der christliche Universalismus? Hat etwa das Christentum den Nationalitätsbegriff aufgehoben? Zerfällt nicht heute nach neunzehnhundert Jahren Christentums die Christenheit in mehrere Rassen und Völker, von denen jede und jedes sich als die Blüte der Menschheit betrachtet und berufen fühlt, alle anderen Völker zu ver« schlingen oder mindestens zu beherrschen? Und was ist der Hauptinhalt der Politik selbst der zivilisiertesten und gebildetsten christlichen Nationen? Konkurrenz, Mißtrauen, Eifersucht, Heere, Flotten, Dreadnaughts. Vom universalistisehen Standpunkt aus ist es z. B. unbegreiflich, wie ein Streifen Landes mit einigen Millionen Einwohnern zwei große, kulturell höchststehende christliche Völker zum ewigen qui-vive-stehen zwingen kann. In nationaler und politischer Beziehung gibt es also keinen christlichen Universalismus. Es gibt aber auch keinen solchen in religiöser Beziehung. Denn das Christentum spricht allen Nichtchristen die Seligkeit ab1), wie der Katholizismus die Bekenner aller anderen christlichen Religionen vom Heil ausschiießt2). Bleibt also l) Schon Johannesbriefe II, 9—10*. »Wer Übertritt die Lehre Christi und nicht bleibt in ihr, der hat keinen Gott; wer aber In der Lehre Christi bleibt, der hat den Vater und den Sohn. Wer zu euch kommt und nicht mitbringt diese Lehre, den nehmet nicht herein ins Haus und dem rufet keinen Gruß zu.« Vgl. Johannesbriefe I, 2, 23 und II Th. 3,6. g) Athanasianisches Symbolum: »Wer das Heil erlangen will, muß vor allem an dem katholischen Glauben festhalten.« Schill, Lehrbuch der Apologetik, S. 393: »Hieraus folgt die Ungereimtheit und schwere Sündhaftigkeit der religiösen Toleranz, als ob alle oder mehrere Konfessionen vor Gott und zur Erlangung des Heils gleichen Wert und folglich gleiches Recht hätten.« — Und derselbe Schill spricht in demselben Buch, Vgl. S. 310, von »Partikularismus der Juden«!! 18*

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