Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 57 (1913)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Christliche Talmudforschung
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 274 (sequence 3)
- Language
- German
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274 Christliche Talmadforscbang. Personen töten. Und in prophetischem Voraussehen, daß nach Jahrtausenden ein Judenhasser die Tat der Gibeoniten den Juden zuschieben werde, wird ausdrücklich bemerkt: »die Gibeoniten aber waren nicht von den Kindern Israels, sondern von dem Überbleib sei der Emo rite r« Trotzdem wagt es ein Christlieber Theologe, aus 11 Sam. 21, 1—10 Menschenopfer »in Israel« zu beweisen! Solche Fälschungen wären in den Jahrhunderten begreiflich gewesen, wo den Christen das Bibellesen verboten war; heute aber besitzt jeder zweite Christ die Bibel und kann sich leicht von der Plumpheit der Fälschung überzeugen. Das Beispiel der Gibeoniten — und aus demselben Motiv — wurde in der Folge fleißig nachgeahmt und wird noch heute in manchen Ländern treulich befolgt. Nur war und ist man nicht so bescheiden, sich mit sieben Juden zu begnügen. Hekatomben haben eine größere Sühnkraft. 7. »ln Pascha und Abendmahl gelangen Zentralgedanken von Juden- und Christentum zum Durchbruch, Nationalismus und Universalismus, Volks- und Weltreligion bieten sich hier die Stirn. Denn das Judentum ist keine reine, sondern nur eine relative Weltreligion, d. h. eine Weltreligion auf nationaler Basis. Es verzichtet seit Trennung von Kirche und Synagoge auf Mission, es beschränkt sich auf die Abrahamskinder, d. h. eine wirkliche oder vermeintliche Blutsverwandschaft. Israel redet wohl viel von seinem Beruf an die ganze Welt und spricht sich die Aufgabe zu, alle Menschen zum Monotheismus zu führen. Aber Israel »tut nichts für die Verbreitung des Monotheismus und hat schon lange nichts mehr dafür getan«. Man muß in der Tat die Geduld des Papiers bewundem — und die Naivetät eines Schriftstellers, der meint,