Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 57 (1913)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Christliche Talmudforschung
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 273 (sequence 2)
- Language
- German
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Christliche Talrandforschung. 273 Priestersegen sprechen konnten. Freilich wäre es ritterlicher und auch gerechter gewesen, wenn die Juden sich mit dem Schwert in der Hand verteidigt hätten; aber gegen eine Welt in Waffen konnte das Häuflein Juden nichts ausrichten. Darum mußte es seiner gequälten Brust, seinem gemarterten Herzen durch einen Fluch gegen seine unmenschlichen Quäler Luft machen. Haben etwa z. B. die Deutschen in der Zeit vor 1813 über Napoleon 1. und die Franzosen den Segen des Himmels herabgefleht? Singt doch sogar der zart besaitete Körner1) der Deutschen Zuversicht: Wir wollen an dir nicht verzagen, Und treu und festen Mutes sein, Du wirst den Wüthrich doch erschlagen, Und wirst dein Deutsches Land befrein. Liegt auch der Tag noch jahreweit: Wer weiß, als du, die rechte Zeit? Die rechte Zeit zur guten Sache Zur Freiheit, zum TyrannentodI Man wäre also berechtigt, zu sagen: da wird in echt deutsch-christlicher Weise ein Fluch über die Quäler Deutschlands gesprochen. 6. B. schreckt auch davor nicht zurück, der dümmsten und infamsten aller Lügen, der Blutbeschuldigung Nahrung zuzuführen: »Daß man um die Osterzeit in Israel“ gelegentlich Menschen, z. B. Verbrecher, als Opfer hingerichtet hat, zeigt II Sam. 21, 1—10 die Opferung der sieben Sauliden zur Zeit der beginnenden Gerstenernte 21, 10, d. i. eben zur Zeit, da man Ostern feierte. Lev. 23, 9 ff.« Das wäre in der Tat ein schlagender Beweis, wenn es nicht eine plumpe Fälschung wäre. In II Sam. 21,1—10 sind es die Gibeoniten, die aus Rache sieben jüdische ג) Im Liede »Unsere Zuversicht«. Alonatsschrift, 57. Jahrgang. 18