Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 57 (1913)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die russische Regierung und die westeuropäischen Juden
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 268 (sequence 12)
- Language
- German
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268 Die russische Regierung und die westeuropäischen Juden״ größeren Schwierigkeiten verbunden, da die Hebräer sich hier zu Lande in der traurigsten Lage einer beinahe vollkommenen moralischen und intellektuellen Verwilderung befinden, von der man sich in Deutschland kaum einen Begriff machen kann. Nur mit der gesammten Anstrengung einer im Schooße des Juden•׳ thums selbst erwachenden Kraft darf man auf Beseitigung solcher Hindernisse hoffen. Wenn die Bessern unter dem Volke, und nametiilieh die aus Deutschland Berufenen, sich nicht als Lehrer und Rabbiner zur Ausführung des Plans der Regierung willig und mutig darbieten, so ist auf keinen Erfolg zu rechnen. In diesem Sinne sind wir gesonnen, sobald die Haupt-Maassregeln gehörig geprüft, undvonS.K. M. bestätigt sein werden, eine Auswahl jüdischer Gelehrter zu berufen, um ihnen den doppelten Auftrag des Lehramtes u. des neuorganisirten Rabbinerstandes zu verleihen. Auch ich bin überzeugt, daß Sie und andere Gleichgesinnte, im Zutrauen der Juden hervorragende Männer, einen lebendigen fortwährenden Antheil an dem Gedeihen des Werkes nehmen werden, um unermüdet auf ihre Glaubensgenossen zu wirken. Je mehr Sie, geehrter Herr Doktor, für die Bildung Ihres Volkes gethan haben, desto mehr sind Sie und die Besseren unter demselben berufen zum Heil einer halben Million moralisch verwaister Brüder sich thätig u. warm bei dieser Gelegenheit zu zeigen. Sobald das Geschäft, das übrigens von einer Menge versefaiedener Combinationen abhängt, weiter vorgerückt sein wird, werde ich mir ein Vergnügen daraus machen, Ihnen den ausführlichen Plan mitzuteilen. Unterdessen halte ich für rathsam sich 'nicht voreilig über diese Angelegenheit öffentlich im Drucke zu laut auszusprechen, weil auch von dieser Seite leicht eine Polemik entstehen, die vielleicht leidenschaftlich und grundlos, doch dem Gedeihen der Sache in den Weg treten könnte. Schließlich muß ich Ihnen noch bekannt machen, daß der ia Berlin residirende K. K. Gesandte Baron Meyendorff sieh gern dazu verbündigen wird, jede Notiz sowohl über Sachen, wie über Männer in reife Erwägung zu nehmen u. mir seine Ansichten freundlichst mitzutheilen. Auch wird mir es stets erwünscht sein, darüber in unmittelbarem Verkehr mit Ihnen zu stehen. Empfangen Sie hiemit zugleich die Versicherung meiner vollkommenen Achtung unterzeichnet: Ouwaroff. in fidem H. Nagel. Secret.