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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1913-01-01 · Heft 3 · p. Seite 259

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
57 (1913)
Issue
Heft 3
Article
Die russische Regierung und die westeuropäischen Juden
Date
1913-01-01
Page
Seite 259 (sequence 3)
Language
German
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Die russische Regierung: und die westeuropäischen Juden« 259 Büchern gewonnen hatten und sich als geistige Schüler Mendelssohns betrachteten. Als im Jahre 1800 der bekannte russische Dichter und Staatsmann Derschawin ein Projekt zur Reform des Judenwesens ausarbeitete, wurde ihm von Dr. Frank, der seine Studien in Berlin gemacht und sich später in Westrußland als Arzt niedergelassen hatte, ein Schreiben in deutscher Sprache unterbreitet, worin die Lehre der Talmudisten scharf getadelt wurde; freilich war darin von irgend welchen Zwangsmitteln zu Bekämpfung des Talmud nicht die Rede. Dr. Frank schlug vor allem vor, zur Schwächung des nachteiligen Einflusses des Talmud Schulen zum Unterrieht in der russischen, deutschen und hebräischen Sprache zu gründen. Der den Juden sonst feindlich gesinnte Derschawin machte von Dr. Franks Anweisungen Gebrauch, und von nun an begann die Regierung sich um die Aufklärung der jüdischen Jugend zu kümmern. Das Gesetz vom Jahre 1804 gewährte den Juden freien Zutritt zu den staatlichen Unterrichtsanstalten. Sie wurden dabei gewarnt, daß, wenn sie von diesem Recht keinen Gebrauch machen wollten, die Regierung spezielle jüdische Schulen auf Kosten der Juden errichten würde. Aber nur wenige Juden suchten die staatlichen Schulen auf, und als daraufhin von der Regierung der Versuch gemacht wurde, jüdische Schulen zu begründen, wandten die Juden alles auf, um dies zu verhindern. An manchen Orten wurden indessen unter Mitwirkung auswärtiger Juden jüdische Schulen für allgemeine Bildung errichtet. Die erste Schule dieser Art, ungefähr 1820 in Uman aus Privatmitteln bestritten, stand unter der Leitung Meier Horns aus Galizien. Später gewann in den Regierungskreisen die in Odessa errichtete Schule eine gewisse Popularität (in Odessa hatten sich nämlich österreichische Juden in beträchtlicher Zahl niedergelassen); sie war von Basilius Stern aus Tarnopol geleitet worden. Als daraufhin in Riga 17•

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