Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1913-01-01 · Heft 3 · p. Seite 260

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
57 (1913)
Issue
Heft 3
Article
Die russische Regierung und die westeuropäischen Juden
Date
1913-01-01
Page
Seite 260 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2829132-2829851-2829855-2892192--40380-2892221
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

260 Die russische Regiernng und die westeuropäischen Juden. eine ähnliche Schule ins Leben gerufen ward, war zu deren Leitung auf Empfehlung Ludwig Philippsons Dr. Max Lilienthal aus München berufen worden, der die Schule in kurzer Zeit auf eine gewisse Höhe brachte. Der Kurator des Lehrbezirks fand für die ersprießliche Tätigkeit Lilienthals Worte der schmeichelhaftesten Anerkennung. II. Ende 1840 wurde es allgemein bekannt, daß die russische Regierung beschlossen hatte, die Bildung der jüdischen Jugend in neue Bahnen zu lenken und zwar spezielle sogenannte Kronschulen für Juden mit jüdischem und allgemeinem Unterricht zu gründen. Zu deren Unterhalt sollten die Juden besonders besteuert werden. Diese Nachricht brachte alle Schichten der jüdischen Bevölkerung in helle Aufregung und wirkte wie ein Reaktiv auf alle sozialen Gruppen, indem es sie verschieden färbte. Fünfzehn Jahre waren seit der Tronbesteigung Nikolaus I. verflossen. Die rechtlichen Beschränkungen und die Zwangsmaßregeln, die nicht selten den Übertritt der Juden zum Christentum bezweckten, waren überzeugend genug, um die gute Gesinnung der Regierung den Juden gegenüber in Verdacht zu bringen. In den jüdischen Kreisen jedoch, die eine europäische Bildung sich angeeignet hatten oder eine solche anstrebten, fand die neue Maßregel der Regierung die freudigste Aufnahme. Es läßt sich schwer sagen, was in der damals unter den Juden entstandenen Bewegung überwog: die Sicherheit oder die Hoffnung wenigstens, daß die zu Gunsten der Reform vom nationalreligiösen Standpunkt aus dargebrachten Opfer durch die Besserung der bürgerlichen Lage aufgewogen würden, oder aber der reine von jeglichen Sorgen um die Zukunft freie Glaube an die heilsame Kraft der Aufklärung. Sicher ist nur, daß gerade die. Furcht vor den geheimen Absichten

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.