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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1913-01-01 · Heft 2 · p. Seite 244

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
57 (1913)
Issue
Heft 2
Article
[Rezension]
Date
1913-01-01
Page
Seite 244 (sequence 2)
Language
German
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244 Besprechungen. und die unbedingte Forderung des »Glaubens« daran, das Dogma. Im Gegensatz dazu hat das spätere Judentum die religiöse Idee durch eine Summe von praktischen, im täglichen Leben zu erfüllenden Geboten zu materialisieren gesucht. ״Alle deine Handlungen seien um Gottes willen«. Tatgebote traten an die Stelle komplizierter Glaubensgebote. Sie sollen hauptsächlich drei Ideengruppen objektivieren: Nächstenliebe, Selbstzucht, Gottvertrauen. Dieselben Ideengruppen sind aber auch, wenn man die Gottesidee auf einer innerlichen, von aller Vermenschlichung befreiten Basis aufbaut, Wesen und Inhalt der Geistesreligion. Will aber diese nicht nur metaphysische Hypothese, sondern wirkliche Religion sein, so wird auch sie sich irgendwie materialisieren, sich Brauch und Kult schaffen müssen. Sie kann daher innerhalb des Judentums das auf seine einfachsten Formen zurückgeführte und von allem Übermaß befreite jüdische Religionsgesetz beibehalten und so eine große Anzahl wertvoller geistiger Elemente gewinnen, ohne diese zu zwingen, ihrem ehrwürdigen geistigen Erbe untreu zu werden. Das Buch Zieglers enthält nun den Versuch, »das jüdische Religionsgesetz, diesen charakteristischesten Teil des historisch en Judentums, mit den Prinzipien der Geistesreligion, der universalea Religion, in Einklang zu bringen.« Was Eucken »Geistesreligion« nennt, ist eine vom abstrakten Theismus der rationalistischen jüdischen Religionsphilosophie nicht allzuweit entfernte Weltanschauung. Immerhin sind aber die Differenzen bedeutend genug, um eine Harmonisierung zu verhindern. Von der »heidnisch-kosmologischen« Weltlehre, von der Vermenschlichung Gottes in welcher Form immer, kann sich das Judentum, ohne Schaden zu nehmen, sehr wohl emanzipieren1), aber die Idee von der Sapranaturalität Gottes, der ausgleichenden Gerechtigkeit, der Unsterblichkeit kann es nicht aufgeben, ohne seinen Grundcharakter zu verändern. Wer nur an die »Gottheit seiner Innenwelt« glaubt, mag sich gegen den Vorwurf des Atheismus verwahren, auf dem Boden des historische n Judentums steht er nicht, und so hat die Beibehaltung des (wenn auch noch so vereinfachten) jüdischen Religionsgesetzes und die Opfer- Willigkeit, welche dieses erfordert, für ihn gar keinen Sinn. Nicht metaphysische Fragen, sondern die lebendige Wirklichkeit, die uns umgebende Kultur, aus der wir nicht herauskönnen, die praktischen Erfordernisse des Lebens und auf dem Gebiete der *) Schon die bedeutenden jüdischen Religionsphilosophen des Mittelalters, insbesondere Maimonides, sind in dieser Emanzipation so weit gegangen, als dies bei dem damaligen Weltbilde möglich war.

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