Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 57 (1913)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die Familie Schemtob in ihren Beziehungen zur Philosophie
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 193 (sequence 17)
- Language
- German
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Die Familie Scbemtob in ihren Beziehungen zur Philosophie. 193 schlaf u. a., die sinnlichen Begierden zu bezwingen, oder, wie bei den Geboten der Wohltätigkeit, der Unterstützung der Armen und den Gesetzen des Zivilrechts, auf die sittliche Führung des Menschen einzuwirken, oder endlich, uns den Glauben an die Weltschöpfung und an die Einheit Gottes in Erinnerung zu bringen. Selbst das Gebet hat ja nach M. nur den Zweck, den Menschen zum Nachdenken anzuregen, seinen Geist auf Gott zu richten und mit heilsamen Gedanken zu durchdringen, was den Glauben an eine Einwirkung auf den göttlichen Willen und an eine Gebetserhörung ausschließt. Damit aber wird der Glaube an die Berichte der Propheten und jede religiöse Überzeugung untergraben1). Denn in Wahrheit wird der Offenbarungsgläubige anerkennen müssen, daß die Erfüllung jedes Gebotes die Wirkung habe, die Seele des Menschen mit Gott in Verbindung zu bringen, während sie durch die Übertretung von Gott geschieden und den Engeln des Verderbens überliefert wird, deren Existenz freilich von Maimonides bestritten wird2). Nicht minder bedenklich erscheint Schemtob die Lehre des Maimonides von der Prophetie und die mit ihr im Zusammenhang stehende Lehre von den Wundern. Nach Maimonides war die Prophetie des Moses von der aller Propheten vor und nach ihm so verschieden, daß man die Bezeichnung »Prophet« auf ihn und auf die anderen nur als Homonymie anwenden kann. Und auch die von Moses verrichteten Wunder sind von denen der anderen Propheten durchaus verschieden, denn die Wunder Moses sind öffentlieh vor Freund und Feind geschehen, während die der anderen Propheten, wie die des Elia und Elisa, nur einzelnen Personen bekannt geworden sind3). Ferner lehrt Maimonides, daß Israel nicht in Folge der von Moses geübten Wunder an ihn geglaubt habe, denn diese Wunder ‘) Das. I, 1, S. 7a; X, 1, S. 108 a; X, 2, S. 110a. ») Das. 1, 1, S. 6b f.; II, 3, S. 14 b. י) More II, cap. 35. (In der Charisischen Übersetzung, in der 13 -Monatsschrift, 57. Jahrgang.