Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 57 (1913)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die Familie Schemtob in ihren Beziehungen zur Philosophie
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 191 (sequence 15)
- Language
- German
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Die Familie Scbemtob in ihren Beziehungen zur Philosophie. 191 die die Formen der Dinge sich einprägen, daß die Seele gewissermaßen die Materie und die Vernunft ihre Form sei. Wenn die Vernunft von der Möglichkeit zur Wirklichkeit gelangt, dann wird sie durch die Vernunfterkenntnisse vollkommen gleich den der Materie entbehrenden Substanzen; wenn sie aber nicht zur Wirklichkeit gelangt, dann hat sie ihren Zweck verfehlt. Ebenso lehrt Maimonides im Buch der Prophetie, More Nebuchim genannt* 1), daß die nach dem Tode fortlebende Seele nicht die Seele sei, die bei der Entstehung des Menschen in ihm zur Existenz gelangt, da diese Seele nur eine Anlage sei, während das, was nach dem Tode getrennt fortbesteht, dasjenige sei, was zur Wirklichkeit gelangt ist. Alle diese getrennten Seelen aber sollen nach Maimonides eine Einheit bilden*). Demnach würde die Seele, die bei der Entstehung des Menschen als körperliche Kraft und als Anlage zu den Ver־ nunfterkenntnissen zur Existenz gelangt, mit dem Untergang des Körpers gleichfalls untergehen, und es würde nur der erworbene Intellekt fortbestehen, der mit den anderen Intellekten eine Einheit bildet. Damit aber wird die ganze Thora über den Haufen gestürzt, denn wenn die Fortdauer des Menschen von der Erwerbung der Vernunfterkenntnisse bedingt ist, dann gibt es für den Frommen, der die Thora vom ersten bis zum letzten Buchstaben erfüllt und sein Leben für den Glauben geopfert hat, keine Hoffnung auf eine Fortdauer, wie es auch keine Wiederbelebung der Toten im Sinne der Überlieferung gibt, da sich der Intellekt des Menschen ebensowenig wie die erste Ursache und die getrennten Intelligenzen mit dem Körper verbinden kann. Der Gottlose hingegen, der alle Gesetze der Thora übertreten und verhöhnt hat, lebt, wenn er sich die Ver- Diese Identifizierung beruht auf einem Irrtum. M. hatte die Absicht, ein »Buch der Prophetie« zu schreiben, hat aber diese Absicht aufgegeben. Vgl. More I, Einleit. (Munk, Guide I, S. 15). s) Vgl. More I, cap. 41 (Guide I, S. 146 f.) I, cap. 70 (Guide I, S. 327), I, cap. 72 (Guide I, S. 373 f.).