Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 57 (1913)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Eine unbekannte jüdische Sekte
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 154 (sequence 2)
- Language
- German
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154 Eine unbekannte jüdische Sekte. die in ihnen enthaltene Halachah viel wichtiger, als deren theologischer Standpunkt. Es empfiehlt sich daher zunächst das Charakteristische im gesetzlichen Teile der Fragmente zu untersuchen, bevor wir uns ein Urteil über sie zu bilden versuchen. Die Fragen, die wir zu beantworten haben, sind: Unterscheidet sich die Halachah in den Fragmenten von der in den rabbinischen Quellen, und wenn, wie ist die Beschaffenheit dieses Unterschiedes? Man darf nämlich die Tatsache nicht außer Acht lassen, daß nicht jede gesetzliche Abweichung als ein Indicium für Sektierisches aufgefaßt werden darf. Die bekannten Worte des R. Jose1), »daß es bis zum Auftreten der Schulen Schammais und Hillels keine Meinungsverschiedenheit in Israel gab« müssen natürlich cum grano salis genommen werden. Denn abgesehen davon, daß gesetzliche Meinungsverschiedenheiten von den älteren »Paaren« 2זוגות) sich erhalten haben, kann dieser Ausspruch nicht in seiner Allgemeinheit genommen werden, da wir sonst anstatt der erwähnten zwei Schulen, zwei Sekten, die Schammaiten und die Hilleliten, hätten. Eine gewisse Selbständigkeit und Freiheit in Bezug auf die Interpretation der Schrift und die Autorität der Tradition, diese zwei Hauptpfeiler der Halachah, herrschte immer in den pharisäisehen Kreisen, so daß eine »sektiererische Halachah* mehr eine Charakteristik dieser verlangt, als daß sie von der »Standard Halachah« abweicht. Es wird sich nun empfehlen, bei der Definition der sektiererischen Halachah von der der karäischen auszugehen. Der Karäismus unterscheidet sich dadurch von dem Rabbinismus, daß er die Autorität des \) Tosefla Hag. II, 9 und Parallelstellen.!) Abgesehen von dem Sfreit über .ם«יכד — Chag, II, 2 — der schon in der vortnakkabäischen Zeit begann, werden noch andere Meinungsverschiedenheiten zwischen dfen älteren Paaren angeführt, vergl. z. B. Tosefta Machschirin III, 4, wo freilich Esfori Parchi in פו׳פ, ed. Luncz, 64 פרידא für פרחיה liest.